Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
176
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176 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

als er sich zum Minister des kleinen Landes und znm Meinberather desabwesenden, in Pirmasens lebenden Landgrafen aufgeworfen hatte, wieSpittler und so manche andere namhafte Leute ein Beispiel mehr davongegeben, wie groß die Kluft zwischen politischen Grundsätzen und Hand-lungen ist und wie nahe der pietistische Hochmnth mit dem weltlichstenzusammengrenzt ^).

Wir haben Moser hier erwähnt, um gleich an einem Beispiele zuzeigen, wie die Tendenzen unserer Dichtung immer mit denen des allge-meinem Volkslebens zusammen, und in gewisser Hinsicht wegzeigendvoran gehen; und wir werden an einem späteren Orte es übersehen kön-nen, wie Jedem unsrer größeren Dichter ein entsprechender Politiker undHistoriker folgt, was diese wechselseitigen Berührungen vortrefflich ans-drückt. Keineswegs bezeichnen wir diese Nachfolger als Nachahmer; siepflanzen sich selbständig, aber der Zeit nach etwas jünger, den poetischenLeistungen zur Seite, indem sie gleichsam den Fortgang von Dichtung zuGeschichte, von Ideal zur Wirklichkeit versinnlichen. Moser'ö ähnlicheSinnesart ist daher so ächte Natur wie bei Klopstock; Beide bliebenauf dem einmal genommenen Standpunkte stehen, unbekümmert um diefortschreitende Zeit. Anders war es z. B. mit Basedow, der zur Hete-rodovie überging, ohne sich jedoch in seiner tnmnltnarischen Art zu lebenund in seiner rynischen Unbekümmertheit um sich selbst davon deutlicheRechenschaft zu geben. Noch weit anders aber mit Wieland, ans den wirhier noch einen Blick werfen müssen. An ihm können wir die fliegendeHit^e am besten beobachten, die auch bei ganz anders gearteten Naturendie überraschende Erscheinung des Messias hervorrief, nachdem die ganzeStimmung der Zeit die Wärme der Empfänglichkeit dafür fast allgemeinverbreitet hatte. Bei ihm kommen die Symptome der Zeit zu einer sol-chen Deutlichkeit, und die Krisis jenes andächtigen Sinnenfiebers zusolch einer heftigen Höhe, daß das Umschlagen zu einer anderen geisti-gen Lebensweise bei ihm in solcher Schärfe vorliegt, wie die Geschichteselten ein Beispiel so schroffer Uebergänge anfzuweisen hat. Dies erklärtsich durch die ungemein reizbare und empfängliche Natur Wicland's, diedurch die Aufgeregtheit der Zeit und durch seine Erziehung noch sehr cr-

85) Die Ehrsucht,sich als Götze» der Emanation alles Wohl und Wehe des klei-nen Landes darznstellen" trieb ihn zu Neberhebung, Herrschsucht, Willkühr, Eingriffenin die Rechtspflege, Aintsnüsbrauch aller Art und Verachtung der Eingebornen; mitdieser Saat erndtete er allgemeinen Haß. lieber diese Verhältnisse muß man Merck undWagner Nachlesen in des LetzterenBriefen aus dem Freundeskreise von Göthe, Her-der, Hopfner und Merck. (Leipj. 1847). x. 20Ü ff.