u, wcltl. Moral, u. d. Kritik. — Christi. Dicht, nach Klopstvck. 173
Luft gemacht hatte, er stand mit Jselin in einem ganz ähnlichen Ver-hältnisse, wie Klopstvck zn den ihm befreundeten Schweizern. Wie indessen Hans die helvetische Gesellschaft von einer patriotischen Begeiste-rung ergriffen ward, so hoffte er ans das Erwachen eines ähnlichen Sin-nes in Deutschland, und hätte wohl gern, wie Klopstvck durch Lesezirkelim Gebiete der Poesie, so im Politischen an der Spitze einer ähnlichenrein haltenden Körperschaft gewirkt, wie in der Schweiz die Schinzna-cher war. Schade, daß er dies Alles, was er wollte, nicht in den rechtenFormen zu sagen wußte. Er hatte sich, wie aus seiner Staatögrammatik(1749) hervvrgeht, noch von dem barbarischen Kanzleistil loszuringen,und obgleich er sich nachher in seinen bekanntesten Schriften (Herr undDiener 1759. Vom deutschen Nativnalgcist 1755 u. A.) verhältniß-mäßig freier bewegt, so sieht man doch auch hier, daß die Ausbildungder Poesie früher fällt als die der Prosa, indem unsere damaligen Dich-ter und Schönredner ihre Ideen weit besser zu Papier zn bringen wissen.Mehr Schade war es, daß er sich nachher in eine entsetzliche Vielschrei-bern verlor, und noch weit mehr, daß er, ähnlich wie Klopstvck zwischenPoesie und Moral, so in eine Klemme zwischen politischer Wirksamkeitund jener sittlichen Religiosität gerielh, die er immer mehr, eben wieKlopstvck und Lavater, steigerte. Daher kam es denn, daß er fast allge-meinen Widerspruch fand, wozu denn auch freilich der Mangel an poli-tischen Gefühlen das Seinige beitrug. Möser beklagt sich über seineSchwarzstchtigkeit, Hamann über die Galle seiner Schreibart, Herderüber seinen frommen Menschenhaß. Und er überspannte diesen auch inder That grade so wie Cramer und Klopstvck, und grade so kündigenihm die Literatnrbriese dafür den Krieg an, denen er seinerseits gehässigeAbsichten gegen die Religion Schuld gab. Abbt wollte seinen Beherzi-gungen Gegenbeherzignngen entgegensetzen; er warf ihm vor, daß er inseinen moralischen Schriften behauptet habe, man dürfe nur fromm sein,so erhalte man auch zu bürgerlichen Geschäfte» Verstand, und am Endesei es besser, ein Land gehe mit einem frommen Minister zn Grunde, alses blühe mit einem irreligiösen. Diese späteren Schriften verdienen dieseVorwürfe; aber den Vorwurf der politischen Schwarzstchtigkeit in sei-nem Herrn und Diener und in dem Nationalgeiste könnte selbst heutenoch nur der politische Stumpfsinn machen. Wie viele Blößen er dortrichtig ausgedeckt hatte zeigten die Anfeindungen, die sie ihm eiutruge», unddie neuerdings bekannt gewordenen Briefe des Herzogs von Weimar anMerck sprechen eine Schadenfreude über seinen Fall in Darmstadt aus,die auch der bitterste Gegner nicht äußern sollte. Dort hatte er freilich,