Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
161
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u. welrl. Moral, u. d. Kritik. Christl. Dicht, nach Klopstock. 161

die Bewahrung der Geschlechtsreihen, um ja kein biblisches Brosämleinverloren gehen zu lassen. Dort sprach uns rührend eine ächte Liebe zuChristus an, hier schreckt uns ein hohler Stolz des dünkelhaften Schü-lers auf den Meister uuwohlthuend ab. Kurz, dieses Werk ist das no»plus nltrs der bodmerischeu Nachahmungen, von der höchsten Höhe pro-phetischer Erhabenheit zur Tiefe historischer Prosa herabgesunken. DieHochflüge und Gemeingäuge" des lavater'schen Geistes liegen hier dichtnebeneinander, und würden, wie bei den mystischen Dichtern des 17.Jahrhs. noch schroffer beisammen liegen, und Lavater würde Klopstock sogegenüber stehen, wie eben diese einem Gerhard, wenn es die Zeit ge-litten hätte, statt in Predigt und Prosa. Allein weder die Zeit litt die-ses, noch Lavater's Natur, deren poetische Nüchternheit Göthe noch inden Jahren des guten Bcrnehmens mit ihm vortrefflich bemerkte. AlsLavater 1768 die Aussichten in die Ewigkeit schrieb, in denen er denPlan zu eurem Gedichte über diese Materie niederlegte, befremdete Gö-then die Berechnung dieses raisonnirenden Werkes über einen solchenStoff, der so (poetisch) behandelt werden sollte, für Gelehrte und Denker.Hätte Lavater, sagte er, für den empfindenden Theil des Menschenzu singen sich zum Seher berufen gefühlt, so sollte er diese Briefe (anZimmermann) nicht geschrieben haben. Er hätte empfunden für Alle,und Alle mit fortgerisscn, allein als Denker Denkenden ein genug-thuendes Werk zu liefern, da man eher hundert Herzen vereinigt alszwei Köpfe, da sollte er Gesichtspunkte variiren, Skrupel wegräumen,und dazu bestimmte er diese Briefe. Ec hätte besser gethan, gleich mitder ersten Wärme ans Gedicht zu gehen. Dazu hat er über diese Materieschon genug, schon zu viel gedacht. Dann wünscht er ihm zu diesemWerkeeinige Gemeinschaft mit dem gewürdigten Seher unserer Zeiten,rings um den die Freude des Himmels war, dem Geister durch alleSinne und Glieder sprachen, und in dessen Busen die Engel wohnten."Wer auch so wenig wie Göthe auf die Dauer mit Klopstock oder Lavaterempfindet, der fühlt doch schon aus diesen Worten, wie richtig der grü-belnde Theologe hier auf seinen Weg gewiesen und gegen den empfin-denden Dichter in Schatten gestellt wird.

Im Süden Deutschlands, wo die epische Dichtung zu Hause war,gruppirten sich mehr die epischen Nachfolger Klopstock's zusammen; imNorden schließen sich von Seiten der religiösen Poesie, die wir hier alleinim Auge haben, mehrere Kirchenliederdichter an ihn an. Er war1751 nach Kopenhagen berufen, wo schon früher durch Elias Schlegeleine deutsche literarische Kolonie eröffnet war; Klopstock zog 1753 Ba-

Gerv. d. Dicht. IV. B°. 11