162 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen
sedow nach sich, 1757 I. A. Cramer und dieser wieder G. F. Funck.
Eine Weile lebte später auch Gersteuberg in der Nähe. Diese Pflanz-stätte deutscher Literatur fing schon srühe an, auf die dänische zu wirken(in Jernstrupp, Jarob Graah, der Frau von Pafsow u. A.), und später-hin sehen wir die Baggesen und Oehlenschläger die Verbindung beider ^nachbarlichen Dichtungen auf die Spitze treiben, und an der ganzenNord- und Ostsee bildete sich eine jüngere Dichterschule, die Klopstock's ^Farbe nicht verleugnen konnte. Unter allen seinen ersten Anhängern,Freunden und Geistesverwandten steht I. A. Cramer (aus der Gegend tvon Annaberg 1723—88) obenan; von ihm geht auch das Kirchenliedder damaligen Periode aus und auf ihn zurück. Er gab, ehe er noch dieSammlungen seiner Lieder und übersetzten Psalmen (1762. 82.) ver-anstaltete, einzelne Hymnen in den Bremer Beiträgen und in deni mitSchlegel herausgegebenen Jüngling, und in diesen herrschte, schon eheKlopstock auftrat, jener Schwung, der Beiden immer eigen blieb, unddas Streben sich über das Gewöhnliche zu heben. Von diesem Stand-punkte aus muß das Kirchenlied dieser Zeiten durchaus betrachtet wer-den; auch in ihm ziehen wir uns vornehm aus der großen Masse zurückund schließen uns aristokratischer zusammen. Spalding, Zollikofer undähnliche Geistliche fühlten damals das Bedürfniß, für eine feinere Ge-sellschaft feinere Lieder zu haben; man fing an die alten zu bessern;Klopstock, Schlegel, Cramer, Alle haben diese Verbesserungspoesie getrie-ben. Herder, der den Sinn für Natur und Einfachheit nicht verlor, derdiese Vornehmheiten gering achtete, hat sich immer gegen die Art undWeise dieser Verbesserungen erklärt. Was sie geben konnten war statt derEinfalt Glätte oder meinethalb Würde und Poesie; ob aber diese dasKriterium für gute kirchliche Lieder waren, haben wir gleich anfangsbezweifeln müssen. Nicht als ob wir das Unpoetische in der Religionso sehr liebten; wir haben uns im Gegentheil bei Gryphius nicht an-ders als freuen können über diese neue Zierde der geistlichen Dichtung.
Aber bei ihm floß sie aus einer unbewußten Fülle, während sie bei diesenjetzigen Dichtern vielfach von Absichten und Ansichten, von vornehmerStellung und Polemik eingegeben ist. Das Zurückziehen der Kultur inengere Kreise kann für die Dichtung vielfach förderlich sein, die wir demgroßen Haufen von Anfang an nicht gern verfallen sahen, allein mit derReligion und religiösen Dichtung ist es weit anders. Statt also mitRambach hier eine Wiedergeburt der Kirchenlieder zu finden, sehen wirnichts als die höchste Spitze derjenigen Kunst, die diese Gattung ver-trägt, und damit das eigentliche Ziel derselben gekommen. Sie hat in