u. wcltl. Moral, II. d. Kritik. — Christi. Dicht, nach Klopstock. 153
lands im vorigen Jahrhunderte und vielleicht selbst noch jetzt dem Aus-lande so bekannt war, als Geßner. Ich vermuthe, daß dies thcilweisedaher kommt, daß nichts für den Ausländer zum Einüben einer fremdenSprache so förderlich ist, als solche Werke wie Geßner's; wie wir dennfür das Italienische und Französische das Aehnliche von Guarini undFenelon brauchen. In diesen Schriften muß das Inhaltlose durch diehöchste Glätte der Form ersetzt werden; den Anfänger stört keine Schwie-rigkeit des Stoffs, das Verständniß wird durch die Ebenheiten der Satz-bildung, die Wiederholungen, und selbst die dieser Gattung oft eigen-thümlichen Gegensätze und Spitzfindigkeiten erleichtert. Unglücklicher-weise waren die Muster des Fontenelle und Pope in der Schäferdichtungnoch nicht verwunden; ja die Erinnerungen an jene süße Zeit dauertennoch, wo der pariser Hof das Schäferwesen zu seiner Unterhaltungbrauchte, und wo sich die DeshouliöreS wünschte, ein Schäfchen zu sein.Je roher die bisher in Deutschland erschienenen Schäferspiele und Ge-dichte waren, desto natürlicher war'S, daß man auf die französische Ele-ganz fiel. Gleim, der selbst einen blöden Schäfer (1743) gedichtet hat,sagte, unsre Schäferspiele seien z. Th. wahre Schweinhirtcnspiele, under selbst hielt sich wie Gottsched, Dusch und Andre hier an die Franzosen.Wie sehr sich auch Geßner den Theokrit zum Muster nahm, doch bliebAlles bei ihm modern gefärbt, wie in Wieland's Romanen, neben denenGeßner's Schäfergedicht so natürlich liegt, wie beide Gattungen im gro-ßen Umfange im 16. und 17. Jahrhundert neben einander bestanden.Seine Schäfer mögen weniger französische Hofleute sein, als Fontenelles,aber etwas bleibt davon übrig. Er sagt selbst, er wolle für die jungenHerren von Geschmack im Tode Abel's sorgen, wenn sie sich mit dereinfältigen Sprachweise der alten Welt nicht vertragen könnten, erwolle für sie eine Jntrigue anbringen, Abel solle ein zärtlicher jungerHerr sein, Kain wie ein russischer Hanptmann, und Adam solle nichtsreden, als was ein betagter Franzose von Welt sagen könnte. Es istdies Scherz; aber abgesehen von dem russischen Hauptmann, so hates mit dem alten Franzosen seine ernsthafte Richtigkeit. Und so sindseine Phyllen und Chloen nichts als schnippische Stadtmamsellen,und wenn in dem Romane DaphniS die Mädchen schon blos an denBach gehen, um ihr Gesicht zu waschen, als sie sich in Putz werfenwollen, so sind es doch im Grunde feine Damen, die gar nicht ineinfältiger Redeweise der Schäferwelt sprechen. Wie schaal und süßlichdiese Redeweise ist, so matt ist aller Inhalt. Wie er mit seiner laxenProsa Haller's gedrungner Poesie so gegenüberliegt, wie sein geliebter