Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
152
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1ZZ Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

leugnen wagen werde; daher sind ihm denn auch natürlich jene makel-losen Menschen kein Traum, die bei ihm, wie Herder sagt, nicht verschö-nerte Natur, sondern verschönerte Ideale sind. Fehlt noch etwas, umGeßner'S Zusammenhang mit Klopstock augenscheinlich zu machen, sokann es sein Tod Abels, das gerühmteste seiner Werke, vervollständigen.Nicht allein ist das Ausgchen auf das Rührende, die Haltungslosigkeit,Charakterisirung und Motivirung durchaus gleich mit dem Tod Adams,und der Ton seiner Prosa durchaus klopstockisch, sondern erfühlt sich hierselbst dem epischen Dichter näher, er will hier Höheres singen, er wünschtder Welt recht viele Homere, und er gibt ihr hier gleich selbst einen.DaS Eine, was ganz gegen Klopstock's Sinn wäre, ist seine Prosa;diesem schien die Frage, ob ein Gedicht in Versen geschrieben sein müsse,gar nicht anfznwerfen, da die Dichtung des ganzen Ausdrucks der Sprachebedarf und oft damit nicht ansreicht. Aber die Freunde Bodmer undSnlzer hatten ihn mit kritischen Urtheilcn und mit dem Beispiel pro-saischer Uebersetzungen des Milton n. A. gerechtfertigt, und so emanei-pirten sich die Schweizer immer mehr von Klopstock, indem sie sich aufEinseitigkeiten und einseitige Abweichungen zurückzogen. Geßner gabmit dieser Einführung der Prosa ein sehr verderbliches Beispiel fürviele Stümper, die ihm in seinen Idealen nacheiferten. Die Wilmsen(Sammlung für Geist und Herz 1762), Brückner (Unschnldswelt),Breitenbach (in jüdischen Schäfergedichten) u. A. gehören überhauptunter die elendesten Erscheinungen unserer Literatur; aber auch in an-dere Gattungen ging diese halb verstiegne, halb elegante, immer aberganz matte Redeweise über. Wie sehr sie ihm selbst geschadet hat, wieganz mit Poesie unverträgliche Dinge die prosaische Rede an und fürsich mitführen muß, zeigt jede erste beste StelleSeinem Rufe ist sievielleicht sehr günstig gewesen. Man weiß, daß kein Dichter Dcntsch-

74) Der Anfang des Todes Abel's lautet so:Stehe du mir bei, Muse, oderedle Begeisterung, die du des Dichters Seele erfüllst, bei nächtlichen Stunden, wennder Mond über ihm leuchtet, oder im Dunkel des Hains, oder bei der einsamen beschat-teten Quelle. Wenn dann die heilige Entzückung seiner Seele sich bemächtigt, dannschwingt sich die Einbildungskraft erhitzt empor, und fliegt mit kühneren Schwingendurch die geistige und sichtbare Welt hin, bis in die ferneren Reiche des Möglichen , siespürt das überraschende Wunderbare ans und das verborgenste Schöne. Mit reichenSchätzen kehrt sie dann zurück und bauet und flicht ihr mannichfaltigeS Ganzes, indeßdie haushälterische Vernunft sanft gebietend Aufsicht hält, und wählt und verwirft, undharmonische Verhältnisse sucht. O wie entfliegen da der erhitzten Arbeit die goldnenStunde»! Wie bist du der Bemühung und der Achtung der Edlen Werth." Hier habenwir eine prosaische bodmerische Theorie in Klopstock's Od-nschwung und Worten.