Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
149
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u. weltl. Moral, u. d. Kritik. Christl. Dicht, nach Klopstock. 140

und Ausdrucke der neuen Epen ausgezogen und darunter die einfachstenund schönsten bekrittelt wurden. Von diesem Augenblick an war fast nurEine Stimme über Gottsched, und dies mag bezeugen, wie unaufhaltsamdiese mizraimische Dichtung, wie man sie nannte, sich Bahn machte.Kästner, der gewiß nicht ihr Verehrer war, ärgerte sich an diesem Wör-terbuch; Kleist, der Gottsched nicht so ganz verwerfen mochte, brauchte diehier getadelten Ausdrücke gerade zum Trotz; Gleim, der eine Zeitlang denNamen eines Gottschedianerö mit Freude trug, epigrammatisirte gegenden Meister, den Er und Viele für den Verfasser der Aesthetik hielten;Wieland meinte, nun würde bald das Schilf flüstern aurioulas asiniAliäaa rex Imbot; er schrieb den Entwurf einer Dunciade, von der dersalbungsvolle Cramer das derbe Wort brauchte, cs müsse nach ihrer Er-scheinung dem Gottsched der erste Strick der liebste sein. Und es mußteder Unmuth gewiß in Deutschland groß und allgemein sein, da selbstLessing vor hatte, Gottscheden in einer Satire als einen Don Quirotemit seinem Knappen Schwabe auf die Jagd nach Seraphim gehen zulassen, und da er in den eben erscheinenden Literaturbriefen anfing, ineinem ganz anderen Tone mit Gottsched zu reden, als er es bisher erfah-ren hatte. Wie anders äußerte sich Lessing über Klopstock und seinen An-hang ! selbst in seinen Grillen unparteiisch! abweisend gegen die üblenFolgen und die üblen Nachfolger des Messias, jedoch für den Werth desDichters darum nicht blind, blind vielmehr im entschiedenen Eifer gegendie jämmerlichen Anfechter voll Prosa, die er aufs schnödeste abfertigte.

Wie wenig übrigens die patriarchalische Dichtung in der Schweizsich durch die Schmähungen Gottsched's und durch die vernünftigen Ein-reden Lessing's stören ließ, beweist ihr regelmäßiges Fortschreiten vondem trocknen Stile bei Bvdmer zu dem weichen bei Geßncr und zu demüberschwenglichen und prophetischen bei Lavater. Daß wir die Idyllendes Salomon Geßner^) (aus Zürich 173087) auf Eine Linie mitdiesen Patriarchaden stellen, wird Niemand wundern, der die geschicht-lichen Verhältnisse beachtet hat. Er ging aus Klopstock hervor, wieThomson aus Milton. Bei beiden Epikern haben wir Mangel an Hand-,luug, Ueberfluß an Zuständen und deren Schilderung gesunden, waseben die Idylle ausmacht; bei beiden waren die idyllischen Gemälde oftdas Ansprechendste; der geringere Nachahmer fiel wohl natürlich geradeauf diese Stellen. Die Liebhaberei an der Natur, das Malerische in derBeschreibung derselben, ist bei Geßnern auf der höchsten Spitze. Nicht

72) Schriften. 1762. nnd sehr oft nachher.