Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
147
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u. weltl. Moral, u. d. Kritik. Christi. Dicht, nach Klvpstock. 147

Witz in den Händen eines Mannes, der über die neuen Wortheckerspottete und über Beleidigung des Wohlklanges klagte, und hier so elendeVerse machte daß sie nur mit denen des berüchtigten Nimrod vonNaumann zu vergleichen sind, den die patriarchalischen Dichter selbst ver-leugneten! Ganz in dieser Art läßt sich Gottsched selbst vernehmen!Nur weil man es von ihm verlangte, gab er (1752) im Neuesten seinbescheidnes Gutachten über die christlichen Epopöen, womit er nur dieDichtung solcher Gegenstände meint; denn wie weitläufig er oft vomMessias u. A. spricht, so behauptet er doch wiederholt sehr verächtlich,daß in Leipzig kein Gelehrter sei, der sich nur zu Einem Gesang im Mes-sias zwingen könne, oder der dessen Nachahmer nur eines Blickes wür-dige. Hätte er sich begnügt, die Uebertreibung dieser geistlichen Dichtungzu rügen, das Fehlerhafte dieser abstrakten Poesien zu zeigen, allenfallsauch auf den möglichen Schaden in der Kirche aufmerksam zu machen,und übrigens anzuerkennen, was anzuerkennen war, so hätte er viel Be-herzigenswertstes sagen können. Aber was sollte es heißen, daß erKlop-stock zu Böhme und Pordätsch und seine geistlichen Legenden zu demTalmud und den Rabbinern stellte? Wenn er über Bodmer sich lustigmachte und von einem Freunde erzählte, der sich den entzückten Schweizervorstellte, wie er mit erhobenen Händen ausrief: Herr, nun lässest dudeinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben den Messiasgesehen, dies mochte noch gut sein, obgleich es ihm die Bremer Bei-träger als Gottlosigkeit auölegtcn. Aber waS sollten die übrigen An-klagen, daß er sich wunderte, wie die Gottesgelehrtcn ruhig sitzen möch-ten bei diesem Unwesen, das er als Nahrung für Freigeisterei undReligionöspötterei bczeichncte, das er in seinem Handlexikon mit denpöbelhaften christlichen Volkskomödien verglich? Mochte er sich doch be-schweren, daß man den Messias aus der Kanzel anführe, und daß einneuer poetischer Schwung in die Predigten kam, aber warum stichelte erans gedungene Lobredner des Messias, als der Reetor Stuß in Gothasich in verschiedenen Commentarien der christlichen Mythologie und Dich-tung annahm? dingte er doch selber, wenigstens mit seinem Beifall, undhetzte zugleich den Ur. Hudemann, der sich des Schadens Josephs (1754)

70) Der Seraph wird z. B. so beschrieben:

Wo sonst die Füße sind, da ist sein Haupt angewachsen,

Und wo das Haupt stand, da sind hingegen die Füße.

Ihm ist die Zung »biegsam, erstarret und ohne Gelenke,Daß sie nicht schmecket, schwer redet und schwer zu verstehen.Und dies sollen Hexameter sein !

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