Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
143
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u. weltl. Moral, u. d. Kritik. Chiistl. Dicht, nach Klopstock. 1.43

nym auszutreten, um es nicht mit Heß und Bodmer zu verderben. Dieserbegann nun sich in Urning und das alte Testament zu begraben undtheilte schon 1749 seinen Freunden Proben der Noachide mit, er fühlteden Geist ans sich gekommen und wollte als ein treuer Jünger mit neuenWundern die Wunder seines Meisters bethätigen. Hätten Klopstock undHagedorn gewußt, was sie thaten, sie würden ihm seine Probestücke nichtso gelobt haben, wie vorsichtig sie es übrigens schon thaten; vielleichtaber würde es auch nichts geholfen haben, wenn sie ihn in Schrankenzu halten versucht hätten, denn er hatte seinen Wieland zur Seite, derseinen edlen kühnen Schwung bewunderte und nichts tadelte, als daßseine Epen so klein wären. So erschien denn 1752 der Noah in 12 Ge-sängen, der Hanptvertreter seiner sionitischen Gesänge, die kleine Erlö-sung des Menschengeschlechts, inKlopstock'S Versen, Malereien, Empfin-dungen, aber ganz prosaischem Gange; und die Wieland und Sulzerempfahlen ihn der Welt als einen Nebenbuhler des Messias. Binnenweniger Jahre erschien seine Sündflnth, sein Jakob und Joseph, Rachel,Joseph und Znlika, Jakobs Wiederkunft, Dina und Sichern. Noch eheKlopstock's Adam kam, ging er schon 1754 in seinem Joseph zum Dramaüber, und schrieb eine nnübersehliche Reihe patriarchalischer, weltlicher,antikisirender, polemischer, politischer Stücke, indem er sich, ähnlich wieGleim und Nieolai, verdorben durch sein Protektorat über jüngere Leuteund seinen bisherigen kritischen Ruhm, aus eine zudringliche Art inalle Dinge mischte und über alle Dinge wegsetzte. Niemand würde be-greifen, wie er in so späten Jahren plötzlich zu einer so großen schöpfe-rischen Kraft kam, wenn man nicht wüßte, daß er über das schriftstelle-rische Eigenthum die lockersten Begriffe hatte, daß er gleich einer Elsterstahl, wie Wieland von ihm sagte, und wirklich auf eine ganz unschick-liche Art sich Alles aneignete, was ihm nur irgendwo in fremden Dich-tern gefiel. Was Gellert von sich selbst sagte, daß er sich gern wiederhole,was sogar von einem Voltaire und Wieland zu sagen ist, das gilt vonBodmer im höchsten Grade: er schreibt sich aus, er dichtet aus dem Gc-dächtniß, er wiederkänct nur. Ganz lernte er von Klopstock, was frühernie seine Eigenschaft war, sich für Alles zu begeistern, von Allem diepoetische Seite zu fassen, keine literarischen und politischen Begebenheitenvorüberznlassen, ohne sich irgendwie an ihnen versucht zu haben; er machteden Gang der schweizer Literatur von dem harten Haller zu dem weichenGeßner und zu dem überspannten Lavater ganz mit. In aller Hinsichtsteigerte er mit seinen Kräften Dünkel und Eigensinn, und übrigens auchAnsicht und Gesinnung. Er, der noch 1760 dem Dichter nicht gestatten