138 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen
was die Romantik charakterisirt, das hatte Klopstock ganz entschieden,daß er die Poesie nämlich ins Leben und das Leben in die Dichtung trug.Mit eben diesem Zuge hat er durch seine Persönlichkeit den Wirkungenseiner Dichtung noch einen desto größern Nachdruck gegeben. Der reli-giöse Dichter durfte nichts anders in der Wirklichkeit sein wollen, als erin der Poesie war; der durch Lehren auf Moralität und Frömmigkeitwirken wollte, mußte cö mit seinem Beispiele ebenso. So verlangtenihn daher die Schweizer mehr blos seinem epischen Gedichte gleich, wäh-rend er zugleich seinem lyrischen glich; so lebte er in seinem Familicn-und Frenndekreise in Kopenhagen oder in Hamburg ein ganz poetischesLeben. Die Schriften und Briefe seiner Meta sind hiefnr das sprechendsteDenkmal. Sie fühlte sich in holder Freude die allerglücklichstc Frau, daßsie ihm beim Messias helfen, daß sie beten durfte, während er daranschrieb, daß sic mit ihm reden konnte, wohin sich ihre kleinen Frauen-zimmerlichkeiten gewagt hätten, vom Kolorit der Wissenschaften, vomGeschmack, und was über Alles geht — von Empfindungen! Die ver-liebtesten Gedanken gehen mit den heiligsten sehr gut zusammen; siestreiten sich unter einander, wer den anderen, aber auch wer Gott ammeisten liebt. In ihrem Familienkreise und auch in anderen war dasSchicksal des Abbadonna eine allgemeine Angelegenheit; unter dem Prä-sidium von Sack in Magdeburg dekretirtc man synodalisch seine Erlö-sung, die Züricher Gesellschaft supplieirte für ihn; im 9ten Gesang,schreibt Meta ihrer Schwester, kommt Abbadonna sehr wieder vor! Sielebten nicht nur das Leben der Richardson'schen Romane, und Metahieß Cläry bei dem Manne ihres Herzens, den ihre ganze Familie wieein Wunder verehrte, sondern sic setzt sich auch mit Richardson in Kor-respondenz, und schreibt ihm in seinem eigenen Style. Die Unmittel-barkeit dieser Schreibart, die ihre Schwester Schmidt noch mehr besitzt,ihre Liebe für Klopstock aus seinen Werken, noch ehe sie ihn kannte, undihre Erklärungen an Richardson, daß, wenn sie in England sei, sienicht ans die kalte Ceremonie der Einführung bei ihm warten würde,dies und die ganze Färbung ihres Wesens, ihre wie Klopstock's Sinncs-nnd Lebensart, erinnert und berührt sich mit der der späteren Roman-tiker, zwischen welchen beiden Kreisen die Stolberge mitten inne stehen.Auch mit Uoung knüpften sie noch Verbindungen an und Klopstockwünschte sich, daß jener, wenn er stürbe, sein Genius sei. Dieser poe-tische Anstrich des Lebens pflanzte sich ans seine Freunde über, besondersin Niedersachsen, dessen Poesie bei ihm ihren höchsten Flor erreicht.Die im Harz, in Halberstadt, in Braunschweig Zerstreuten hatten eine