Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
136
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136 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

wie die republikanischen in England und der 30jähr. Krieg in Deutsch-land waren, natürlich zurück. Aber das vorige Jahrhundert machte dieseChristcnrechte zugleich mit den Menschenrechten in ganz Europa geltend,und dazu half freilich die Philosophie ihr gutes Theil mit. Vor undum und nach Klopstock arbeiteten Voltaire und viele Andere nach derBeachtung jener Rechte hin, und Duldung und Menschlichkeit ward dieLoosung des Jahrhunderts. In dieser Zeit steht das Werk Klopstock'svon Erlösung und Befreiung des gedrückten Menschen als ein großesSymbol. Er vollendete das Werk des Milton; beide zusammen gebenin der protestantischen Kirche, einfach episch gestaltet, den Kern der christ-lichen Mythologie, den Verhalt der Erlösung zur Schöpfung, der inner»geistigen Erhebung zu dem physischen Zwang der Natur, gereinigt vonall dem Beiwerk, das der KatholieismuS hinzuthat, in jener einfachenGröße und Würde, die dem Christenthum gemäß ist, und die diese bei-den Dichtungswerke bei all ihren Fehlern zu weit würdigeren Vertreternchristlicher Poesie macht, als das gesammte, form- und bedeutungslosgebliebene Lcgendenwesen der mittleren Zeiten. In dem durch die Re-formation erneuten Christenthnme nehmen diese beiden Werke völlig die-selbe Stellung ein, wie die des Cädmon und Otfricd in der Zeit derersten Verbreitung des Chriftenthums, und beide Gedichte verrathcnauch an einzelnen polemischen Stellen gegen den Papismus ihren aus-schließend protestantischen Charakter, und konnten nur oberflächlich inkatholische Gegenden eiudringen. Im großen und engen Bunde liegensie, durch ein Jahrhundert getrennt zwar, doch dicht beisammen, und eswird nun nicht mehr so kühn und willkührlich erscheinen, wenn wir imersten Bande zwischen den bedeutenderen Dichtungen verschiedener Zeitenund Völker eine Jdecnverbindung vermutheten; denn was sich dort nurvermuthen ließ, das läßt sich hier in den helleren Zeiten erweisen.

Diese tiefen Beziehungen der Messiade zu der Geschichte der euro-päischen Literatur erklären uns also den stillen Beifall der unsichtbarenpoetischen Kirche hinlänglich. Dergleichen Bezüge finden sich nie bei be-deutungslosen Männern; sie sind es, die Jedem, bei dem sie sich finden,in der Geschichte der Welt eine Stelle geben. Sie setzen immer dasengste Verhältniß zwischen der Bildung des Individuums und der seinerZeit voraus, was eine viel wahrere Größe in sich begreift, als jeneroratorische Ruhm, seinem Zeitalter um Jahrhunderte vorgeeilt zu sein.Denn dieser Ruhm bedeutet eigentlich in der Wirklichkeit nichts, oder ermuß gerade solchen Männern zugetheilt werden, die die Bildungsstufeihrer Zeit, eben weil sie ihre ächten Söhne sind, in sich abschlicßcn und