und weltlichen Moral, und Kritik. — Klopstock. 121
Ohr im Tanze fortgeführt und bis zum letzten Tone ahnend erhaltenwäre, nnd man weiß, dies war dasGeheimnis; der griechischen Perio-den, des Hexameters und der schönsten lyrischen Sylbenmaße. Es kommebei der Melodie der Ode Alles aus die Suecession der Töne, auf dasEntwickeln des Gesangs der Seele, und der Bedungen des Herzens an!In der musikalischen Zustimmung der Worte zn den Sylbenmaßen seiKlopstock Meister. Diese Oden seien Gesang, man müsse sie laut lesen,daß sie sich vom Blatt heben, daß sie verständlich und lebend reden, einTanz der Sylben, eine Gedankcngestalt, sich auf und nieder schwingend.Meist aber würden sie dann, vom einfachen Laut bis zur vollsten Modu-lation ein sich vollendeter Ausdruck der Empfindung. Seine Muse seiRednerin ans Herz (wie man die Musik so oft nennt), die von jedemBilde der Empfindung gleichsam nur den Seelenlaut nehme und demOhre zubringe u. s. s.
So ist denn diese ganz musikalische Gattung höchst charakteristischvon diesem musikalischen Dichter (dem z. B. kein Epigramm geglückt ist)ergriffen worden, allein auch sein Epos, den Messias, hat er zu einemOratorium gemacht. Er warf der britischen Dichtung vor, daß sie inBildern weine, selten das Herz treffend; ihm dünkte die Einbildungs-kraft leer, die ohne Empfindung ist; Dichtung der Phantasie nennt erdie leichte scherzende Grazienlyrik der Anakreontiker! Sein Epos ent-behrte daher alles Plastischen und Darstellenden, und sein Verehrer Clo-dins nannte es selbst einen epischen Hymnus. Die Entstehung in derZeit erklärt dies vollkommen. Man war aus den frommen Opern undaus den frommen Romanen (von Ziegler, Lehms u. A.), den biblischenStaats - und Heldengeschichten herausgetreten, Alles warf sich auf Dich-tung von Kantaten und Oratorien. Eine große Reihe Dichter ließensich aus den Jahren kurz vor der Erscheinung des Messias anführen ^),die mit Musiktcrten über die Passion nahe führten zu dem Gedankenan eine epische Leidensgeschichte, oder an biblische Poesie, auf die auchKlopstock, Drollinger, Bodmer u. A. selbständig verfielen. War ja Leib-nitz 1711 aus den Gedanken gerathen, es ließe sich ein olympisches Ge-dicht entwerfen, eine Uranias, in der Adams Fall und die Erlösungdes Menschengeschlechts durch Christus besungen würde! Er warf denPlan dazu für den ihm befreundeten Mystiker Petersen hin, der ihn auf-nahm und in drei Monaten lateinisch auSsührte, aber so wenig zu Leib-nitzens Zufriedenheit, daß er sich die undankbare Mühe gab, das Ge-
er) Vgl. Raßmann's Ueberficht der aus der Bibel geschöpften Dichtungen IWS.