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4 (1853)
Entstehung
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122
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122 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

dicht zu verbessern. Wieland eutwars in seinem 13. Jahre (1740) einGedicht von der Zerstörung Jerusalems und Lange (um 1745) einenMoses, derMilton nachgehen sollte. Fehlte noch etwas, so erschien sie-ben Jahre vor Klopstock'ö großer Dichtung der Messias von Händel, ,die staunenswerthe Frucht von 21 Tagen Arbeit! Klopstock kannte ihn,bestaunte ihn, er hielt den großen Meister den Engländern triumphirendentgegen: Wen haben sie, der kühnen Flugs wie Händel Zaubereientönt? Das hebt uns über sie! Und dies machte, daß im Laufeseiner Dichtung immer mehr dieser musikalische Messias auf ihn wirkte,und der plastische Milton zurücktrat, an dessen Stelle auch Aoung beiihm rückte, der kein Dichter war, ihm aber der Dichter schien, derallein verdiente ohne Fehler zu sein. Daher fand Schiller in musikalisch-poetischer Hinsicht die Messtade eine treffliche Schöpfung, in plastischerHinsicht aber lasse sie nichts übrig, wo wir bestimmte Figuren für dieAnschauung erwarten.

Wenn schon die Eigenthümlichkeit den großen Geist in lauter Ir-rungen reißen mußte, als er mit diesen lyrischen Gaben unternahm einEpoS zu dichten, so noch mehr das Hineintragen seiner Person und sei-ner persönlichen Empfindungen und Stimmungen in seine Poesie. Erverlangte des Dichters Herz voll Empfindung, und wie sehr ihm selbstdies Beherrschtsein vom Gefühle und dieser erdrückende Ernst bei seinerArbeit geschadet habe, geben sogar seine größten Verehrer zu. Er ist ge-gen die Lehre, nach der die Kunst eine Nachahmung sei. Wer thut, sagter^), was Hora; fordert: wenn du willst, daß ich weinen soll, so mußtdu selbst betrübt gewesen sein ahmt der blos nach? Er ist an derStelle desjenigen gewesen, der gelitten hat, er hat selbst gelitten. Undvollends der, der seinen eigenen Schmerz beschreibt, der.ahmtalso blos nach? Er stellt also gerade die pathologische Dichtung als dierechte und ächte hin. Und diesen Sinn hat jener Ausspruch, daß seinersungener Ruhm die Frucht seiner Jugendthräne (Liebe) und seinerLiebe zum Messias sei. Darum denn wagte er auch, was seit zwei Jahr-hunderten kein Dichter gewagt hatte: er saug von seiner unglücklichenLiebe zu der Schwester seines Freundes Schmidt (Fanny) und später vonseiner glücklichen zu Meta. Er verwarf selbst die kalte Gedankenliebe desPetrarca, wie er all dasbrennende Stroh der Künstelei" bei den Fran-zosen verachtete. Und dieser Trotz auf das eigne Gefühl des Dichters,wie schädlich er Klopstock's Gedichten war, war durchaus wohlthätig

63) Nordischer Aufseher II, 2, x. 841.