Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
117
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und weltlichen Moral, und der Kritik. Klopstock. 117

Klopstock war selbst musikalisch; er hatte sür Musik das feinste Ge-hör, er war von den großen Meistern jener Tage, von Händel und Bach,von Gluck und Kunz u. A. begeistert, er konnte sich ganz in Wonne ver-lieren,wenn geweihte Musik und des Psalms heiliger Flug die Reli-gion begleitete, wenn die Schaaren des Tempels feiernd sangen, undward dies Meer still die Chöre vom Himmel herab/' Er warf sichdaher mit jener großen Vorliebe auf die Gesänge David's und auf diePropheten; eben da, wo Händel und Bach musikalische Nahrung suchten,fand er seine poetische. Sehen wir einen Augenblick ab von dem Messias,so ist die Ode Klopstock's eigenthümliche Gattung, in der er bedeutendgeworden ist. Sie ist der Höhepunkt aller lyrischen Poesie, als derenVertreter daher immer Pindar und Horaz genannt werden; die Spitze dermusikalischen Poesie, die in sich selbst die Musik ersetzen und des Gesangsentbehren will, was eine weit größere Emancipation ausdrückt, als wenndas Schauspiel nicht mehr aufs Darstellen berechnet wird. Wer dieSelbständigkeit der Lyrik verfechten will, hält sich an jene beiden Dichter,obgleich der Eine sich schon an Episches, der andere an Didaktisches an-hält, ganz abgesehen von dem Verhältniß Beider zur Musik, über daswir nicht so sicher nrtheilen können. Allerdings ist die Ode jene lyrischeGattung, die am meisten eine Grenzscheidung zwischen Poesie und Musikverlangt, sie sucht sich selbständig Hinzupflanzen, sie kann gelesen undbraucht nicht so nothwendig als das Lied gesungen zu werden, sie er-scheint als der Musik nicht bedürftig, so wie man damals ans Seiten derMusik die Sonate als das Jnstrumentaltonstück entgegensetzte, daö den

Lüge, daß der größte Theil von David's Psalmen poetisch seien, und das ans demGrunde, auf welchen Klopstock den vermeinten Vorzug seiner eigenen und der übrigendeutschen Poesie vor der englischen baut: weil sich nämlich die meisten Psalmen auf einPrivatgefühl, eine Lokalität, oder andere empfindungsvolle Grille stützen. Wer ist der,der mir sagen will, daß dergleichen Trockenbrötelei wie der IIS. Psalm, oder eines vonKlopstock's ewig Herr! Herr! rufenden Tonstücken Poesie sei. Bilder, die Bilder, dieihr verachtet, die ihr nicht erfinden könnt, die machen Homer. Ein wahres allgemeinesGefühl gießt sich durch ein ähnliches Bild in alle Herzen, während ein falsches, ört-liches, individuelles nur Einigen gefalle» und alle Anderen verwirren und betäuben muß.Die kacullas lucrimaloma, dieses Schönpflästerchen der deutschen Poesie, die tclescopi-sirten Augen, unnennbaren Blicke, und der ganze theologische Hermaphroditismus sindvergänglichere Lumpen, als die, ans welche sie gedruckt sind. Fühlt, wenn ihr wollt,dergleichen; ich wähnte es auch zu fühlen, wie ich ein Kind war; aber es ist stürzens-werthe Unverschämtheit, es Andern vorzntrommel», mnd wenn es in euren heiligen Ge-dichten ist, so sage ich mit Götz: sür die Majestät der Religion habe ich alle schuldigeHochachtung, aber Ihr, Herr Hauptmann u. s. w.