und weltlichen Moral, und der Kritik. — Klopstock. 113
dielten ist der anspannende heroische Bombast immer peinlich gefundenworden, abgesehen noch von der Anstrengung, die darin liegt, daß wirhier in eine uns ganz unbekannte Welt verseht werden sollen, die diennplastische Manier der Darstellung um nichts Heller macht. In derSprache verirrte er sich in diesen ausschließenden Germanismus, in jenepuristischen Grillen der Rechtschreibung, die er zuletzt selbst gern unter-drückt hätte. In seinem vaterländischen Schwindel schrieb er jene hef-tigen Oden gegen den französirenden Friedrich II., in denen zuletzt keineSpur von Achtung für den großen Mann übrig bleibt. In seinem Frei-heitssinne, der mit dem Patriotismus Hand in Hand ging, verflieg sichder Eifer gegen Tyrannei so übermäßig, daß die Erhabenheit hart anGemeinheit grenzt. Denke dir, mein Geist, heißt es in der Ode Für-stenlob, daß du nie durch höfisches Lob die heilige Dichtkunst entweihthast! Durch das Lob lüsterner Schwelger, oder eingewebtcr Fliegen,Tyrannen ohne Schwert, Halbmenschen, die sich in vollem dummenErnste für höhere Wesen halten als unö. Nicht alte Dichtersitte, nichtFreunde, die geblendet bewunderten, erschütterten deinen Entschluß: denndu, ein biegsamer Frühlingssproß in kleineren Dingen, bist, wenn esgrößere gibt, Eiche, die dem Orkan steht! Und deckte Marmor auch dasGrab, eö ist eine Schandsäule, wenn euer Gesang Kakerlakken undOrangutanezu Göttern verschuf. Ruhe nicht sanft, Gebein derBergötterer, sie Habens gemacht, daß nur die Geschichte, nicht mehr dieDichtung Denkmal ist. — Man hört hier den Freiheitsschwulst unsererteutonischen Jugend ans jeder Zeit, die auch ihr Verhältniß zu Klopstockin den edleren Stimmungen von 1813 u. s. wohl herausfand. Dennedel sind diese Regungen bei Klopstock durchaus, und das eben muß manso tief bejammern, daß Alles, was unseren vaterländischen Dingen jeHeil bringen konnte, immer verkümmert, dann durch Berkümmerung ver-bittert und überspannt ward. Wie vielmehr hätte Klopstock für unsereSprache noch werden können als er geworden ist, wenn er in ihrer Bil-dung Maaß gehalten hätte, wenn er nicht seine Poesie allzu erhabenschrauben und seine Prosa allzu niedrig hätte lassen mögen. Er liebteunsere Sprache so sehr, so stolz, so weit entfernt von dem Undank Göthe's,der die Gründerin seiner Unsterblichkeit den undankbarsten Stoff nennenmochte! Wie manche schöne Ode hat diese seine Wärme für deutscheSprache geoffenbart! Und übrigens ist er für sie so viel geworden!Seit länger als einem Jahrhunderte war kein Mann von ähnlicher Be-deutung für die Sprache erschienen. Das haben die verschiedenstenMänner anerkennen müssen! Herder bewunderte es poetisch und pro-
Gerv. d. Dicht. IV. Bd. 8