Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
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112
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112 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

verlangende Herz! Dies ist in Wahrheit, nach unserer anfänglichenAndeutung im Beginn dieser Geschichte, der Charakter des deutsch cnund nordischen Nrgesangs, der auf leidenschaftliche Erregung des Her-zens ging, der die Kunst verschmähte und die Natur über Alles setzte!Eine ächt deutsche Natur empfindet im späten, aber sich verjüngendenZeitalter vereinzelt, wie sein Volk im ersten Keime innerer Regungen inMasse empfunden hatte; und wie ihm Cramer die Anklänge an die Eddain seinen Gedichten zeigte, noch ehe er sie kannte, so wies ihn dieselbenordische Natur auch theoretisch auf die Erkenntnis; der Unterschiede an-tiker und germanischer Dichtung (in der Ode der Hügel und Hain 1767),so fiel er in ähnlichen Zeiten und Verhältnissen auf einen ähnlichen Ge-genstand der Dichtung mit dem eben so nordisch gearteten Miltvn, ohneauch diesen zu kennen. Immer entschiedener trat dieser germanische Cha-rakter heraus und verdrängte immer schärfer die Alten. Es hing damitauch sein Haß gegen die Franzosen zusammen, deren Schauspiele er aufEinerlei Linie mit den griechischen sah, deren Epiker, Voltaire und Cha-pelain, er schon in jener erwähnten Schulrede mit beißendem Spotteverachtete; und gegentheils seine Vorliebe zu den germanischen Eng-ländern. Nicht allein der englischen Dichtung eines Milton und Äsungsich gleich zu stellen, ward sein Ehrgeiz, sondern auch daS Urbild derseandinavischen Poesie zu erreichen, der er gleichsam durch seine Ver-setzung nach Kopenhagen (1751) nahe gerückt ward. Dies liegt schonin der versuchten Herstellung der nordischen Mythologie gegen die grie-chische. Wecke ich von den alten Göttern zu Gemälden des fabelhaftenLiedes ans, singt er, so haben die in Teutonia's Hain edlere Züge fürmich. Als nun endlich gar Ossian bekannt ward und das erste Zeichenzu der späteren Revolution unserer. Dichtung gab, warf sich ihm Klop-stock natürlich ganz in die Arme, fand, daß er dem Homer trotze und daßApoll vor ihm verstumme. Auch hier zeigte sich denn in den neuen Dich-tern wieder, was unsere Poesie auf ausschließenden Wegen werden sollte.Namler beschränkte sich auf das Antike und ward vergessen; in dieserdeutschen Dichtung bewegte sich Klopstock nachher in den Bardietten,und sie wurden noch schlimmer als vergessen. Nichts schloß sich ihm indieser Richtung an, als die nachherigen Barden, ein verdorrter Zweigunserer Literatur. Wie sehr diesem nordischen Ungestüm die Kunstlosig-keit, das Versteigert, das Uebertriebene, dieUeberspannung natürlich ist,beweist Klopstock so gut wie die altnordische Poesie. In seinen ossiani-schen Bardcnoden ist jenes verführerische Dunkel am häufigsten, dasuns zu nebelhaftem und gedankenlosem Lesen gewöhnt. In seinen Bar-