unv weltlich?» Moral/ und der Kritik. — Klopstock. 111
was die gewöhnliche Rede in abgezogenen Begriffen läßt, so folgt dieletzte Schwierigkeit, an der wir den Geschmack erst prüfen, und nach demsich der Genuß des Lesers bestimmen wird: daß nämlich ein Maaß ge-halten sei in derAnwendungderpoetischenForm, daß nichtAllesSchmuckund Zierat werde, daß man nicht vergesse, wie das Material, in demder Dichter wirkt, Vcrstandesbegrisfe sind, die jeden Zoll breit inBilder nmzuschaffen die Phantasie des Dichters und Lesers übermäßiganstrengt, so daß dort zuletzt der klügelnde Verstand die Bilder formenund hier sie zergliedern muß, und so durch die Ueberspannung der Ein-bildungskraft ihr Werk ganz verloren geht. Allerdings ist der Ode, diewie ein Bergstrom abstürzt, hierin mehr zu gestatten, als dem ruhiggleitenden Flusse des Epos, in dem das Poetische gleichsam nur wie dieSecnerie des Ufers Mitwirken soll. Allein unstreitig ist von Klopstock zuviel geschehen, und seine Gegner hatten vielfach Recht, hier Lohensteini-schen Geschmack und undurchdringliche Dunkelheit zu tadeln
So weit also reicht Klopstock's Verhältniß zu den Alten. Aber siewaren seine Begleiter gleichsam nur bis zum Austritt aus der Schule;er wandte sich später immer mehr, wie Gellert moralischerseits that, poe-tisch und moralisch von ihnen ab. Schon als er von Schulpsorta Ab-schied nahm, bedauerte er Homer und Virgil um ihrer Religion willen,und vergleicht ihnen Fenclon als Nebenbuhler des Homer. Sobald sichdaS Selbstgefühl in ihm so steigerte, daß nun das Individuelle undPersönliche sich seiner Dichtung bemächtigte, so fühlte ec den Mangelder HerzenScrschütterungen in der alten Poesie; sie war ihm jetzt nurStimme der Kunst, und der Grieche schien ihm die Sprache der Naturnur zu stammeln. Der Poet, unterscheidet er, läßt die Leier klingenvon den Grazien, den leichten Tritt.an der Hand der Kunst geführt;der Barde singt zur Telpn die schönere Grazie der seelenvollen Natur.Unter sparsamer Hand tönten (in dem Naturgesang der Barden) Ge-mälde herab, gestalteten mit kühnem Zug, tausendfältig, und wahrund heiß; ein Taumel, ein Sturm, waren die Töne für das vicl-
S5) „Der Wecker mit dem röthlichen Fuß" (die Sonne), „des frommen MönchsErfindung schM" (ein Schuß fällt) u. dergl. bildliche Ausdrücke, oder solche Wortewie „es kleinelt und zwergelt mit der Größe des Eroberers" berechtigten freilich dieGottschedianer über Lohensteinischen Schwulst zu klugen, lind so finden sich ganzeSätze, die mit Anstrengung wie ein lateinischer Text herauskonstruirt werden müssen,über welche Eigenschaft K. doch selbst an den alten Sprachen klagt. In dem „Neuestenaus der anmuthigen Gelehrs." dünkte man sich sehr witzig, daß man Klopstock's Odenins Deutsche übersetzte.