u. weltlichen Moral, und der Kritik. — Klopstock. IW
men; Helder meinte wohl mit Recht, daß bei Horaz die Form der Odeerschöpft sei, und wies mit ungemein feinem Sinne die Gebrechen derneu erfundenen gothisch geschlungenen Maaße Klopstock'ö gegen die Al-ten nach. Und waS dieser von dem Versmaaß sagte, das behaupteteKlopstock selbst von dem ganzen Tone der Ode, ihn habe Horaz bis aufjede feinste Wendung bestimmt. Nur diese Gattung hat in Ramlerund Voß nachgewirkt, die andern gingen verloren; so hatte auch gewißNiemand, wenn wir lateinische Nachahmer ansnehmen, in neuerenSprachen den Geist der ächten Ode wieder erreicht. Klopstock führtehier auf die reinsten Meister, Pindar und Horaz, zurück, so weit es dieZeit gestatten wollte, wie Lessing mit der Fabel that, und er warf Alles,was sich vor und neben ihm bei Hagedorn, Lange, Uz und Aehnlichenmit dem Namen Ode schmückte, ohne daß der bescheidene Jüngling cSwußte oder ahnte, in tiefen Schatten. Und dies hauptsächlich darum,weil er mit so strenger Fügsamkeit in die Vorzüge der Formen einging,ohne darum den lebendigen Stoff in sich preiszngeben; er blieb dabei,wie Göthe in der Iphigenie, der neuere Dichter des Herzens und desGedankens, und die Horazische Form ward nicht bei ihm wie oft beiRamler ein leeres Gehäus. Er nahm von den Alten, was unsere größ-ten Dichter ihm nach thaten, den Formenstnn, der nur leider bei ihmnicht so weit ging, daß er für ihre plastische Dichtungsart Geschmackgefaßt hätte; er blieb vielmehr bei dem stehen, was sich auf Versmaaßund Sprache bezieht. Er lernte bei ihnen den Reim verschmähen, dener (in der Ode an Voß) übertreibend ein Wörtergepolter, Trommelschlagund wirbelndes Glcichgetöne nennt; er fiel, als er überdenkend die epi-schen Maaße der Neueren prüfte und mit eklem Ohre verwarf, auf denHerameter mit jener Freudigkeit, die des richtigen Gefühles Gefährtinist. Wieviel seinem Hexameter fehlte, doch war er ein unermeßlicherFortschritt, wenn man ihn gegen die der Heräuö und Weise verglich.Wenn man die beschränkte Kritik jener Zeit bedenkt, mit der noch derGrammatiker Christ und Uz im besten Ernste die alte Versrcgel an diedeutsche Sprache hielten, wie einst Otfried die Sprachregel, so muß manalle Achtung vor dem glücklichen Griffe Klopstock's haben, der den Ac-cent des Sinnes und der Wortgeltung einführte, die einzig möglicheRegel, die mit Poesie bestehen kann, die alle Dichter nach ihm, unddarunter Göthe, befolgten, die aber freilich von den pedantischen Gram-matikern und Trochäenverfolgern noch heute angesochten wird, denen esnoch immer aus dem Standpunkte des Otfried und der Schulmeister inder Reformationszeit gefällt. Die Frage über das Bürgerrecht des Hexa-