und weltlichen Moral, und der Kritik. — Klopstock. 10?
In allen diesen Zügen steht er unter den Bremer Beiträgern als einGleicher, nur überall als ein Höherer; er faßte aber in weit größeremMaße alle Richtungen und Bestrebungen der Zeit überhaupt in sich zu-sammen, vereinte in sich die Strahlen der damaligen Bildung wie ineinen Brennpunkt, schloß die vergangene Zeit völlig ab, und warf ebenso viele Strahlen nach neuen Richtungen für die Folgezeit wieder ans,die die allerverschiedensten Früchte reiften. Mit ihm beginnt daher erstdie neue Zeit, und die Wiedergeburt unserer Literatur, und nur ein sokräftiger und so beglückter Geist konnte diesen Wendepunkt herbeiführen.Ueber seine Geburt wachte der Genius der Zeit, der ihm alle Neigungendes Jahrhunderts einimpfte, die bestehenden und die werdenden; mitihnen ergriff er sein verwandtes Geschlecht und machte eine denkwürdigeWirkung. Was irgend die Gemüther vorher bewegt und die Köpfe be-schäftigt hatte, das nahm er mit sicherem Griff auf und trieb es zu einerReife, nach der nichts übrig blieb, als Abfall der Frucht und Erwartungneuer und anderer Blüthcn. Das Verschiedenartigste, was die Men-schen um ihn getrieben hatten, band er voll Einklang in seinem Wesenund seinen Werken, und dies ist einer der wahrsten Sätze, daß derMensch, wo er Entgegengesetztes harmonisch zu verknüpfen weiß, immerdas Höchste zu leisten sich anschickt. Wir sehen demnach in Klopstocknicht allein die empfindsame Stimmung der Zeit eine ansteckende Krafterreichen, sondern auch ihre sröhlichheitere, wir sehen ihn nicht alleinmit der sokratischen Weisheit Hagedorns übereinstimmen, sondern auchmit Bodmer auf dem Wege zur Verehrung Uoungs und Miltons. Nichtallein trat er wie Haller, wie es seiner steten Richtung auf große underhabene Gegenstände gemäß ist, in sich selbst mit erhöhtem Selbstgefühlzurück, sondern er ging auch, wie Hagedorn und Giseke noch schüchternthaten, von reicher Empfindung des Schönen überwallend aus sich her-aus , und sagte zum erstenmal der Welt die geheimsten Regungen seinesHerzens. Er faßte in seiner Beschäftigung mit der Sprache nicht alleinGrammatik und Regel inö Auge wie Gottsched, sondern auch ihre leben-dige Bildung aus Volkssprache und den alten Klassikern zugleich, geradewie Bodmer. Er suchte in seinen Dichtungen das Malerische und Mu-sikalische der Haller und Drollinger zu verbinden mit der LebensweisheitHagedorn's, und strebte, wie die schweizer Kritik verlangte, für Ver-stand, Einbildungskraft und Herz zugleich Nahrung zu geben, mit ent-schiedener Bevorzugung der Wirkungen auf das Gefühl. Wozu Bodmerentfernte Anlage verriet!), sich in verschiedene Gestalten zu verwandeln,das ist bei ihm gleich in entschiedener Fertigkeit. So hatte noch Niemand