u. weltlichen Moral, n. d. Kritik. — Die Vers. d. Brcin. Beitr. 101
Namen führen, und läßt sich eigentlich gar nicht unter Einen Titel brin-gen. Es gibt nur Eine komische Epopöe, Reineke Fuchs, und nur EinWerk in Prosa, was sich dem vergleichen läßt, Don Quirote. Wasjene vornehme Benennung führt, ist gewöhnlich Parodie des Epos derForm nach, dem Inhalt nach aber komische oder satirische Idylle. Undso liegt auch die Schäferpoesie in dem glänzendsten Zeitpunkt ihrer Ent-wicklung in Europa dem dcrbkomischen Roman in großen Massen gleich-zeitig gegenüber. Uz, der ein sehr mäßiger und verständiger Mann war,und den seine poetischeBeschäftignng in keiner Weise aufgeblasen machte,nennt auch daS Stück, das er in dieser Gattung gemacht hat (der Siegdes Liebesgottes) ausdrücklich eine bloße Erzählung, und zwar im Ge-gensatz gegen Dusch, der sich nach Pope's Lockenraub seine Theorie derkomischen Epopöe gebildet und dann die Thüre hinter sich zugeschlagenhabe. Diese Pope'sche Theorie, der alle unsere scherzhaften Epiker ebenso sklavisch als seiner Praxis folgen, läuft dahinaus, daß in den komi-schen Epopöen ein kleiner Gegenstand in dem großen Stile des ernstenEpos solle behandelt werden. Daher werden bei ihm Stellen des Ho-mer und Virgil parodisch benutzt, die ausgesührten Gleichnisse nach-geahmt, der Kothurn ironisch beibehalten, eine Art Göttermaschinerie(Sylphen und Genien) angcwendet; Alles dies ahmen unsere Deutschengetreulich nach. Sieht man aber auf das Wesen, so liegen diese kleinenDichtungen durchaus im Gegensätze zur Idylle. Während hier die Na-turzustände unschuldiger Menschen, der Hirten und Fischer geschildertwerden, so drehen wir uns dort in den Zuständen der verfeinertsten Ge-sellschaft, der Stutzer und Koketten herum. Beide Gattungen treten auchgleichzeitig hervor, nur mit dem Unterschiede, daß in der Einen derHauptrepräsentant, Zachariä, vor kleineren Nachahmern vorauSgeht, inder Andern Geßner ans kleinere Vorgänger folgt, der daher erst etwasspäter genannt werden kann. Uebrigcns haben wir schon gelegentlicherwähnt, daß Gottsched und seine Frau Schäferspiele machten, eben soGärtner und Gleim; und Rost, dessen Vorspiel (gegen Gottsched) ganzim Stile dieser komischen Epopöen geschrieben ist, hat auch Idyllen ge-schrieben. Bei den besseren scherzhaften Erzählungen läßt sich auch dieGrenzberührung oder Verwandtschaft sehr deutlich Herausstellen. Zacha-riä's Phaethon, in dem er die steife Form des Alexandriners verläßt,und im Fluß des Hexameters jenes Detail anbringt, das in allen übri-gen komischen Epopöen durchweg fehlt, ist immer, so viel ich weiß, nebendem Renommisten am meisten gelobt worden, nur nicht von Gottschedund den heutigen Gottschedianern, die der Hexameter ärgert. Wenn das