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4 (1853)
Entstehung
Seite
99
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u. weltlichen Moral, u. d. Kritik. Die Vers. d. Brem. Bcitr. 99

Unterschied ist, daß die übrigen alle in ihren Fabeln witzig sein wolltenund nicht waren, Lessing vielleicht nicht wollte und war. Es kam mirdarauf an, daß der scharfsinn nicht seine eigene Spitze brach, daß derAutor gesund blieb in der ungesunden Luft uud daß er den nutzlosenFlitter verschmähte. Lessing that dies, und ich zweifle, daß man bessereFabeln in unserer Zeit machen kann als die besseren unter den seinen,bis ich welche gelesen habe. Gleich 1760 erschien Bodmcr mit seinenunäsopischen Fabeln. Er schrieb sich selbst das Armenzeugniß, indem erbei jener Fabeltheorie zu bleiben erklärte, die Lessing aus den Stoppi-schen Fabeln gezogen habe, der die Gedanken seines Kopfs der Kürze zuLiebe nicht zurück behalten habe. Er dachte Stoppe's Lustigkeit solleschadlos halten für die anderen Schönheiten, die er seinen Fabeln nichtgeben konnte. Das ganze Heer der übrigen Fabelschreiber, die in den50cr und 60er Jahren und weiterhin noch sehr zahlreich waren folgtemeistens Geliert, Einige, die wie Kretschmann, Westphalen u.A. Prosaversuchten, scheiterten^), und dies mag Lessing'S Wirksamkeit in diesemFache sehr beeinträchtigt haben, daß eben Jeder schlechte Reime, aberNiemand gute Prosa schreiben konnte, was, wie auch Göthe sagt, dieLeute erst in den 70er Jahren durch Lessiug eiusehen leruten. Aus dergroßen Masse nennen wir nur noch Gottl. Conrad Pfeffel (17361809) aus Colmar, der wie sein Landsmann v. Nicolah zwar außer en-gerer Verbindung mit den deutschen Poeten dieser Zeit steht und erstnachher in Verhältniß zu Georg Jaeobi kam, der aber doch zur Fabelvon Geliert angeregt war. Die fruchtbare Epoche seiner Fabeldichtunghatte er erst ganz spät, als ihm Florian in die Hände fiel, zu dem er indemselben Verhältniß steht wie Geliert zu Lafontaine. Seine erstenaber erschienen schon gedruckt um 175961. Sie sind für die Schulesehr bequem gefunden worden, und vies darum, weil sie an Glätte derForm mit der Zeit fortgegaugcn waren, und weil sic das allzuüppigeNeben - und Beiwerk abschnitten, was ihr charakteristisches Merkmal ist.Aber jener Ernst um die Sache, der bei Gellert noch wohlthuend ist, istbei ihm ganz weg, und dies ist das Zeichen, daß die Gattung mehr an

iS) Wir gehe» natürlich auf die Einzelnen nicht ein, die zu wenig Verschie-denheit unter einander haben. Die vorzüglichsten sind in den 50er Jahren Pfeil, Peter-mann, in den KOer Lieberkühn, C. v. Moser, Westphalen, Willamov, Michaelis, Bur-mann, in den 70er Zachariä, Brauns, Kl. Schmidt, Nicolay, Götz u. A.

50) Man vergl. nur z. B. die schauderhaften Proben aus den Fabeln von einemNachahmer Lesstngs, Ranpsch, die die Lit. Briefe Nr. 1S1 mittheilen.

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