Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
97
Einzelbild herunterladen
 

n. weltlichen Moral, n. d. Kritik. Die Vers. d. Vrem. Beitr. 91

und Erzählungen das Widerlichste dünkt, damals das Wichtigste. Daßer in demselben Tone wie der Naturenthusiast Blockes, der SchulmannRichey, der Weltmann Hagedorn auf die Perückensttten der Zeit, diesteifen Moden, unter deren Joch die Gesellschaft gebeugt war, die Klcin-städtereien des Provinziallebens spöttelte, half immer die jungen Ge-schlechter aufmerksam machen, daß nicht alles so sein müsse, wie es war.Und so kam es, daß nachher Leute, die die alte Kleinmeisterei in Deutsch-land freilich zugleich mit der alten Ehrbarkeit und Frömmigkeit erschüt-tern halfen, in ihrer Manier ganz an Gellert angelehnt erscheinen. Wirhaben oben gehört, wie Wieland von Gellert'S Erzählart urtheilte; erhat auch die seine ganz von ihm gelernt. Was sich bei Lafontaine zu-sammen fand, das trennte sich bei uns in Gellert und Wieland; derLetztere ging erst auf die schlüpfrige Erzählung von der ehrbaren Fabelüber, die Lafontaine beide behandelte. Wie wenig Kluft aber zwischenbeiden lag, sehen wir nachher auch in Deutschland bei v. Nieolay; undWieland's Charakter zeigt sehr deutlich, wie natürlich es ist, daß häus-liche Ehrbarkeit sicher im Gewissen, das sichere Gewissen muthwillig,und der Muthwille endlich frivol macht und öffentlichen Anstoß gibt.So kam es, sonderbar nur dem Anschein nach, daß die Weichlichkeit undSchlaffheit dieser Jahrzehnte in dem nächsten (Lten) nach zwei zanz ver-schiedenen Richtungen hinführte, zu gesteigerter Frömmelei und Sinn-lichkeit, die bei Wieland neben einander liegen.

Wir erwähnen die Fabeln der übrigen Bremer Beiträger nicht be-sonders. Getrennt von ihnen war Magnus Gottfried Lichtwer (171983) aus Wurzen^), der mehr Verhältnis) zu Gottsched und Trillerhatte, und sich übrigens überhaupt vereinzelt hielt, wie er denn auchnachher, nach Halberstadt versetzt, durchaus keine Verbindung mit demdortigen Poetenklub unterhielt. Seine Fabeln erschienen 1748, manfand aber noch so viel gemischt Gutes und Schlechtes darin, daß sichzwei fremde Hände, und darunter Ramlcr, an ihrer Verbesserung ver-suchten, zu dem größten Aerger des Verfassers. MendelssohnsindenLiteraturbriefen) fand gleichfalls Ungleichheit darin, einige von gemei-ner Moral, und niedrig possirlichem Wesen, andere unnachahmlich. Wirmüssen uns diesem Nrtheil etwas ermäßigend anschließen, das auch Les-sing unterschrieb. Wie närrisch kreuzte sich bei uns der Geschmack! DieFabel von den Katzen und dem Hausherrn fand man damals in den Li-teraturbriefen abgeschmackt, die Herausgeberder Werke Lichtwer's aber

48) Schriften eit. Pott 1888.Gcw. d. Dicht. IV. Bd.

7