Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
96
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96 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

lert bekannt; Geliert fand auch wirklich einen ungeschliffenen Demantin Boner, und hätte er sich doch dorther angeeignet, was ihm darin sogefiel, daß nichts Gekünsteltes und nichts Frostiges darin sei, daß seineFabeln nicht so kurz wären, um ängstlich zu werden, und nicht so wort-reich um Müßiges zu sagen! Aber das Manierliche des Lafontaine ge-fiel ihm doch besser, als das Natürliche der Alten. Und so wenig wiedieser selbst hat er weder die Naivetät der ritterlichen Schwänke noch dieEinfalt des alten Aesop erreichen können. Vielleicht wenn nur nichtMode gewesen wäre, über Hans Sachs zu lachen! oder wenn seineNachahmer, die sich in Knittelversen versuchten, die Müldener und Rost,nur nicht so geringe Talente oder so böse Menschen gewesen wären!Und wie sollten vollends solche altmodische Fabeln vor La Motte'sTheorie bestehen, die der Kanon für alle Fabeldichter war! Gellert hattenoch sehr viele Mühe seine Geschwätzigkeit etwas zu mäßigen, seine erstenFabeln in den Belustigungen wurden später sehr gekürzt. Immer aberbehielt er im Auge, sie für diejenigen, dienichtviel Verstand besitzen"),lesbar zu machen. Darum geht alles so im Tone des sanften Humorsund der Behaglichkeit her, die Gegenstände faßlich, hübsch aus der bür-gerlichen Gesellschaft, in der Moral nichts, worüber der ängstliche Sinndeö Zeitalters straucheln konnte, in den Scherzen artig, daß es Nie-mandem wehe that, in dem Tone gleich, ohne die Rohheiten Stoppe's,die Abfälle Lichtwer's, den flauen Spaß des Zachariä, in der Ironierecht handgreiflich, aber doch manierlich, damit sich der witzige Lesergleichsam über eine versteckte und gefundene Feinheit selbstschmeichelnderfreue. Von einer Poesie ist hier nicht die Rede, die mit dem Gemütheder Einbildungskraft, oder auch nur mit Empfindungen zu thun hat.Leidenschaftloö wie der Mann selbst war, unaufgeregt, wie er sich zuhalten strebte, so bewegt sich auch seine Erzählung im schonenden Un-terhaltnngston, sein Lustspiel stillt das Lachen mit Rührung, sein tragi-scher Roman die düstern Eindrücke mit milder Beleuchtung, sein Kir-chenlied fordert weder große Anstrengung des Kopfes, noch macht es demHerzen eine große Bewegung. Er nannte in seinen Vorlesungen dieNamen von Klopstock, Lesfing und Wieland gar nicht; sein nüchternerVerstand hat ihn dem Einen, und seine übertriebene Moralität den An-dern entfremdet, Nebrigens war das, was uns jetzt an seinen Fabeln

47) In der Fabel von der Biene und Henne helfit cs :

Du siehst an mir, wozu sie nützt (die Poesie),

Dem, der nicht viel Verstand besitzt, die Wahrheit durch ein Bild zn sagen.