u. weltlichen Moral, u. d. Kritik. — Die Vers. d. Brem. Beitr. 9Z
türlich gewesen, daß, wenn Freunde an Einem Ort sich in Einerlei Gat-tung versuchen, sie unvermerkt einen gegenseitigen Einfluß auf einanderübten. Sehr häufig ist das Verhältnis! der Originalität und Nachah-mung der verschiedenen Fabulisten damals zur Sprache gekommen, Gel-iert, selbst Lichtwcr u. A. haben immer ungern oder gar nicht den un-mittelbaren Einfluß des Lafontaine anerkennen wollen. Sie konntendies auch klüglich sagen, denn der sie anregte, war überall Hagedorn.Das haben aber die meisten klüglich nicht gesagt. Die späteren warengeständiger, daß sie Gellert nachgingen; unter dieser großen Masse isteigentlich nur Pfeffel wichtig, original ist Niemand als Lessing undGleim. Bei Gellert und seinen Anhängern ist die Fabel allerdings durchkleine deutsche Züge von den genannten Franzosen verschieden, dem We-sen nach durchaus nicht. Sie lag zu sehr in den Zeiten, wo Satire undEpigramm herrschend waren, als daß sie nicht von diesen einige Eigen-schaften hätten annehmcn sollen. Ueberall überhüpfte Lafontaine dieGrenzen, so auch Gellert. Ihre Ausdehnungen und witzigen Aus-schmückungen wurden unvermerkt zu satirischen Zügen, die nur schondarum von unschuldiger und sanfter Natur bleiben mußten, damit sie dasWesen der Fabel nicht völlig zerstörten; und eben hier berührt sich Gel-lert so sehr mit Rabener, und zeichnet sich vor seinen dürftigen Nachah-mern dadurch aus, daß bei ihm wenigstens, wie bei Lafontaine, dieseAusschmückungen nicht bloßes Wortgepränge und ganz zwecklose wennauch zweckwidrige Einschiebsel waren. Wie es immer war, das „Amü-sante" trat vor das Lehrhafte voraus, und das haben Göthe und Lessingund Herder gleichmäßig miöbilligt. Der Letztere ist darüber am schärfstenherausgegangen, und ich finde seine Sätze durchaus schlagend. Sie ha-ben, sagt er, die Fabel aus einer Naturlehreriu zu einer Schwätzerin ge-macht, sie haben sie aus der rohen Natur ins Besuchzimmer geführt, essprach die Perücke mit der Fontauge. In Einleitungen und Abschwei-fungen, denen meist der Reim ihr ouri-ioulum vorzeichnete (!), schleudertemau spaßhaft langweilig hin, und auch im Inhalt erlaubte man sichsprechen zu lassen, was irgend sprechen konnte. So ward die wahreNaturdichtung das abgegriffenste Ding, so amüsant, daß es fast Nie-manden mehr amüsirt. Gehe man den „Scherzdigressionen und Spaß-präambuln" nach, es sind platte Einschiebsel und die meisten haben sichauch dem Ausdruck nach überlebt. — Hätte man nur wenigstens die altewahrhaft naive Art zu scherzen noch von unfern unverdorbenen Vorfah-ren übernommen, so wäre vielleicht nicht so viel Abstoßendes darin.Waldis, Boner, Hugo von Trimberg u. A. waren Zachariä und Gel-