Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
93
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il. weltlichen Moral, ». d. Kritik. Die Vers. d. Brem. Veite. !)3

gar zu possenhafte Pöbelsprache angewöhnte und man dachte aus eineanständige Erziehung. Die bloße klassische Schule wollte nichts verfan-gen; Aesvp ward vor Gellcrt's Erscheinung noch zweimal übersetzt ohneErfolge. Man sah sich nach französischen Gouvernanten um, und fandihrer zwei, La Motte und Lafontaine. Besonders Blockes gewöhnte mitNebersetzungen an den elfteren, der endlich 1736 in Hirschberg ganz über-setzt herauskam. ES hatte vorher, dies sieht man deutlich, durchaus nichtmit der Fabel fortgewollt; 1732 erschien noch jener Hcnnpnk de Hanvon Casp. Fr. Nenner (16921772), der den Reineke nachahmte undsich langhin mit Glück für ein Gedicht des 16. Jahrhunderts ausgab.Renner kümmerte sich um die Aufdeckung altdeutscher Gedichte, und hatauch die Winsbeckin übersetzt; es schien dies also ein Versuch, als obauf dem originalen deutschen Wege auch noch einmal das Thier-Mähr-chcn belebt werden sollte, allein die dürftige Erzählung, und dagegendie breiten Anekdoten und jene gelehrte mythologische Nrsprungsgeschichtevom Hahn u. dgl. lehrten wohl, daß dafür keine Zeit mehr war. Sowie dagegen jene Franzosen eingedrungen waren, da kam Alles aufEinmal! Diese Fabulisten überschwemmten die ganze Welt, Wiedasfranzösische Drama auch; in Frankreich selbst, in England und so inDeutschland ward die Zahl ihrer Nachahmer Legion! Zwei Jahre nachdein übersetzten La Motte (1738) erschienen auf Einen Schlag die NeuenFabeln von Stoppe in Breslau und die Fabeln und Erzählungen vonHagedorn. WaS Frankreich in vielen Jahren erlebt, triumphirte mansogleich, das brachte uns Eine Messe! Stoppe war unser La Motte,denn er hatte lauter neue Erfindungen, Hagedorn unser Lafontaine, denner nahm wie dieser den Stoff von vielen älteren, von Lafontaine selbst,von Aesop und Phädrns, von Rnisseau, Oldham, Lestranges, La Motteu. A. Gottsched's Beiträge begrüßten, beide Dichter lobend, die ganzeGattung als eine neue Art von Dichtungen. Noch hier ist dieselbe Er-fahrung zu machen, daß Stoppe, der wenigstens in der Materie ans eige-nen Füßen stehen will, noch sehr oft in Allegorisches und Parabelartigesverfällt, dann auch weit mehr Rohheit verräth als Hagedorn. Er istzwar nicht mehr so ungeschlachtet hier, als in seinen (früher erwähnten)Gedichten, aber doch laufen noch manche Unfeinheiten unter. InderManier will er übrigens ganz die Franzosen nachahmcn, der Handlungist wenig, des Redens und sein sollenden Witzes desto mehr. SchonGottsched hebt dagegen die wundernswerthe Kürze Aesop's hervor undtadelt Stoppe zugleich mit den beiden Franzosen darüber, daß sie die ge-ringste Sache zerrten und ausdehnten, über unnütze Kleinigkeiten und