u. weltlichen Moral, u. d. Kritik. — Die Vers, der Brem. Bcitr. 91
Wir reden an dieser Stelle blos von Gellert'S Fabeln; seiner Lust-spiele und Kirchenlieder gedenken wir mit wenigen Worten noch an an-deren Stellen. Es ist billig, daß die Summe seines Wesens und Wir-kens da gezogen wird, wo von seinen Fabeln die Rede ist, denn diesehaben ihm den großen Eingang in die Nation vorzüglich verschafft. DieFabeln sind zugleich die Lieblingsgattnng der Bremer Beiträger, die vonA. Schlegel, Giseke, Ebert und Zachariä auch versucht wurde, und mitder man einmal einen ganzen Band der Beiträge zu füllen dachte, wassich aber zerschlug. Sie drängen zugleich der Zeit nach in die 40erJahrezusammen, wo kurz vorher Hagedorn sein folgereichcs Beispiel gegeben,und die Züricher ihre Theorie ausgestellt hatten, die wir vorher anführ-ten. Wenn Hagedorn in dieser Gattung sich fortgeübt hätte, so ist eskein Zweifel, daß Er die großen Wirkungen vorweggcnommen hätte, dienach ihm Gellert machte, und daß Er in die Mitte der großen Gruppevon Fabeldichtern gestellt werden müßte, auf welchem Platze wir so ebenGellert betrachten wollen. Um zu überzeugen, welch eine zeitgemäßeGattung Gellert mit seiner PrariS, die Schweizer mit ihrer Theorie inder Fabel ergriffen, wollen wir einen Blick ans die Geschichte ihrer Wie-dergeburt werfen. Sie hatte im ganzen 17. Jahrhundert, wie wir häufigbemerkten, ganz gefehlt. Nur in Nürnberg hatte eine Art kleiner Alle-gorien oder Parabeln ihre Stelle vertreten. Dasselbe Bestreben nachpoetischer Erfindung hatte damals auf die Allegorie geführt, das jetztauf die Fabel führte, und diese letztere ging theilS ans dieser Gattungtheils ans den bisherigen apophthegmatischen Sammlungen, die an dieStelle der Fabel andere Beispiele gesetzt hatten. In den Jahren 1679.86. 96. erschienen in Ulm unter dem Titel „Lust- und lehrreiche Sit-tenstücke" 150 äsopische Fabeln in Prosa von Zacharias Hermann, derzu den benachbarten Nürnberger» in inneren wenn nicht selbst äußerenBeziehungen stand. Die beigegebcnen Kupfer stellen seine Arbeit mit denemblematischen Werken der Pegnitzer in Verbindung; in den breitenLehren aber, die dem Verfasser bei weitem die Hauptsache sind und ge-legentlich zu kleinen Abhandlungen anwachsen, steht man mitten in derApophthegmenliteratur, zu der auch Hermann ein besonderes Werk ein„historisches Blnmengebüsch" steuerte. Die Lehren sind nämlich voll neuer,erläuternder Anekvotcn und Beispiele; so daß, wenn diese Anekdotcn-sammlungen nach Alberuö und Waldis die Fabel verschlungen hatten,sie hier mitten wie aus einer solchen Sammlung wieder hecvorgeht.Einer andern Spur der erneueten Fabel begegnen wir entfernter vonNürnberg. Der Rector Justus Gottfr. Rabcner in Meißen, der Groß-