i)y Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen
Bauern und Barone, Militärs und Mägde sich an ihn drängten mitDank, mit Lohn, mit Ehren; daß man ihm Pensionen und Geidschen-knngen anonym überall her zuschickte; daß ihm Ocstrcich das Landöffnete und ein böhmischer Geistlicher um seines wahren Seelenheilswillen ihn katholisch machen wollte. Wenn er sich in Karlsbad sehenließ, war er von hohem und niederm Adel wie belagert. In seiner letztenKrankheit gingen tägliche Stafetten nach Dresden; nach seinem Grabegeschahen Wallfahrten, die der Leipziger Magistrat verbieten mußte, eineSammlung von Gedichten erschien auf seinen Tod, den ganz Deutsch-land beweinte. Wenn diese öffentliche Theilnahme für seine Person undzeitgemäße Art seiner Wirksamkeit spricht, so thun es noch mehr die Ur-theile der allerverschiedcnsten Männer unter Freund und Feind. Daßihm Weiße nachsang, es sei in Deutschland über ihn kein Tadel, Ein !
Lob, Ein Leser und kein Richter; daß ihm Rabcner unter Betheucrnngen, ^
er könne nicht schmeicheln, seine Lieder als Wunderwerke rühmte, daßCronegk nicht an ihn denken konnte ohne zu weinen, dies ließ sich er-warten. Aber haben nicht die leichtfertigen Halberstädter ihm rührendeNekrologe geschrieben?^') hat nicht auch Wieland ihn sein Mignon ge-nannt, und seine naive Annehmlichkeit, seinen natürlichen Witz, seineeinfältige Sprache der Erzählungen gepriesen? hat sich nicht Göthe inder sreigeistigsten Zeit seiner Jngend des Fabeldichters angenommengegen die Stürmer des alten Parnasses? hat nicht sogar Lessing, in demGellert etwas vom Pferdefuß witterte, als er in Leipzig studirte, in sei-nen Briefen schöne Natur, Gesinnung und Gefühl, Liebenswürdigkeitund alles Edle anerkannt? Wo solche Stimmen zeugen, da muß der spä-tere Geschichtschreiber, der ein Vcrhältniß zwischen seiner Zeit und jener,seinem Charakter und diesem schwerer finden kann, vorsichtig schweigen.
45) Klamer-Schmidt sagt von Gellert'S Bild sehr schön (Werke I, 471):Dies sind die abgehärmten Wangen,auf welchen nie ein Morgenrothvon leidenschaftlichem Verlangenund froher Thorheit aufgegangen.
Dies ist die Miene, die den Todals einen lieben Gast empfangen.
Sein hohles Geisterauge liegt
tief in dem warnenden Gesichte,
erzählt des Herzens rührende Geschichte,
spricht Engeltoleranz und rügt
die Laster mehr durch eine weiche Zähre,
als Rabner oder Swift durch feingedrehten Spott.