Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
89
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u. weltlichen Moral, u. v. Kritik. Die Verf. d. Brem. Beitr. 89

spukte^). Er hatte mit seinen Lustspielen zuerst, besonders aber mitseinen Fabeln, später mit seinen geistlichen Liedern eine ungeheure Wir-kung gemacht. Alles was er schrieb, war durchaus sür die mittlereSphäre des bürgerlichen Lebens bestimmt, auf die damals am entschie-densten zu wirken war. So treiben sich seine Lustspiele in diesen Kreisenherum wie Rabener's Satiren; seine Fabeln wandten sich von den Ge-lehrten weg zu den Mittelleuten von gesundem Verstände, deren Fähig-keiten seiner Erzählungsweise grade angemessen war. Dorthin warenseine Briefe gerichtet, sein bürgerlicher Roman, seine moralischen Ge-dichte, die sich überall in der genauen Mitte zwischen Chrischnthum undVernunftmoral bewegen, dorthin auch seine geistlichen Lieder, die inSchule und Kirche ein gutes Theil älterer ganz verdrängten, eben weilsie so schön auf ein dürftiges Maß der Einsicht angepaßt waren. Mitdieser Faßlichkeit und Popularität, der eingänglichen Ausbildung gang-barer Ideen, der nachgiebigen Zubereitung für Jugend und Frauen,der zarten Rücksicht auf allen Anstand senkte er sich in Haus und Schuleso tief ein, wie kein anderer Schriftsteller. Mit dieser weitverbreitetenWirksamkeit seiner Schriften wetteifert die persönliche an der Hochschule.Er las über Dichtung, Beredtsamkeit und Moral, verband mit seinenVorlesungen stilistische Uebuugen, sammelte ein ungeheures Auditoriumum sich, das er schonend und aufmunternd behandelte, dem er Freundsein wollte. Er ließ sich Poesien, Briese, Reden, Abhandlungen geben,las davon anonym vor was ihm gefiel, und kritisirte mit Bescheiden-heit und Sorgfalt. Alles was er sprach, war höchst genau ansgearbeitet,er gab sich also nie eine Blöße, seine rührende Stimme, seine herzlicheMeinung verbreitete Spannung, Theilnahme und wahre Ehrfurcht undLiebe. Geschah irgendwo eine Ausgelassenheit, so strafte er öffentlichund ec durfte starke Rügen wagen; er setzte sich mit den Eltern der Stu-direnden in Briefwechsel, und war ein Sitten-Censor und Ephorus imganzen Sinne des Worts. Daher drängte sich Alles, was auf gute undauf feine Sitte hielt, nach Leipzig, und in seine moralischen Vorlesungen,Militär und Adel, Bürger und Student. Jeder wollte von ihm Rathhaben, und er schrieb an Jeden wie ein Beichtiger und geistlicher Vater.Er bildete und empfahl alle Hauslehrer, er war der Großhofmeister derder ganzen Nation. Wenn noch heutzutage ein solcher Mann an einerUniversität lehrte, wie würde man gern seine Söhne zu ihm in sichereHut schicken! Was Wunder, daß damals Fürsten und Feldwebel,

44) Man sehe in den Neuen Briefen Hrsg. v. A. Schlegel und Heyne.