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4 (1853)
Entstehung
Seite
81
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ii. weltlichen Moral, n. d. Kritik. Die Verf. d. Brcm. Beitr. 81

dann nicht wundern, in den Schriften der Rabener, Zachari'ä und Gel-iert vor lauter Moral so wenig Dichtung zu finden.

Gottl. Will). Rabener (aus Wachau bei Leipzig 1714 71),der satirische und witzige Freund in unserm Kreise, ist nächst Geliert dergeleseuste unserer Schriftsteller gewesen, ehe Klopstock erschien. DieEmpfehlungen, die von Gellert und Weiße ausgingen, erklären wir unsdurch seine Schriften weit weniger, als durch das, was Rühmliches überseinen edlen, uneigennützigen Charakter und bestechenden Umgang er-zählt wird, in dem ihn auch Klopstock kerniger und witziger als in seinenWerken fand. Ramler hat ihm in seiner Einleitung zum Batteur einLob gespendet, das uns zeigen kann, wie selbst auö dem Kritischsten derdamaligen Kritiker Laune und Vorurtheil, nicht eigentlich reines Urtheilsprach. Er nennt Rabener mehr einen lachenden Satiriker, männlichschön in seiner Schreibart, lehrreich in seinem Tadel, ganz unerschöpflichin seinen Erfindungen; er findet eine ganze Gallerte von Bildern undCharakteren in seinem Swistischen Testamente, in der Chronik undTodtenlistc, im deutschen Wörterbuch und ähnlichen Werken. Von allendiesen Aussagen würde man ungefähr das Gegcntheil wahr finden,wenn man sich die Muße nähme, die Satiren durchzuleseu. Was nämlichzuerst die Erfindungen angeht, so berührt sich dies mit der poetischenAder und mit der Aehnlichkeit Rabener's mit Swift, die so oft ist her-vorgehoben und selbst von Herder noch anerkannt worden. Swift selbstpflegt wohl bei denen im größten Ansehen zu stehen, die ihn nicht gelesenhaben, dennoch aber muß man anerkennen, daß er seinen Satiren hierund da eine poetische Einkleidung zu geben weiß, die eigentlich bei Ra-bener ganz fehlt. Nach einem strengen Maaße gemessen, würden seineSatiren ganz außer allem Antheil an Poesie erscheinen, obgleich sie da-mals neben die Fabel gestellt wurden, und mit dieser als poetische Gat-tung galten. Ganz aus diesem Gesichtspunkt betrachtet Rabener selbstdie Satire als eine praktische Predigt, als ein Beispiel statt der Lehre,als eine Art Fabel also. Und wirklich enthält z. B. eine gewöhnlichunter seinen Schriften ausgezeichneteAbhandlung Sancho Pansa's vonSprichwörtern" solche satirische Erempel, Beispiele nach dem altenGattungsnamen, die ganz auf einer Linie mit den Gcllertschen Fabelnliegen, nur daß etwas Beleidigendes darin ist, Sprichwörter durch iro-nische Sophistik verdreht zu sehen, die grade der gesunde Menschenver-stand geheiligt hat. Auf poetische Würze also muß man in seinen Satirenganz verzichten. Er ist auch in allen seinen ästhetischen Urtheilcn einguter Phantasie- und poesieloser Gottschediancr; er mag von Klopstock's

Gerv. d. Dicht. IV. Bd. 6