82 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen
Messias nichts hören, und nichts von Odcnsprache nnd VcrSart. EinAnsdruck Cramer'S: „sic schläft zu Gott hin" betankte ihn. Kann ichdahin schlafen, schrieb er Cramer'n selbst, so kann ich anch einher wachen.Alle seine Freunde und Biographen haben seine pünktliche Praris nndgeschickte Amtsführung ausgezeichnet; ein guter Geschäftsmann aber istselten ein guter Poet. Wir müssen es Rabener'n Dank wissen, daß ihmeben seine geschäftliche Stellung so viel Selbstgefühl gab, sich nicht zumLustigmacher mehr gebrauchen zu lassen, wenn sie auch den Werth seinerSchriften sollte bedeutend Eintrag gethan haben. Er schrieb in einerglatten Geschäfisprose, die reich an Formeln und leer an Gedanken ist,und sich also sehr gut, wie Gcßner'ö Idyllen und Aehnliches, für Fremdezum Erlernen der deutschen Sprache eignet. Es fehlt ihm an der Ver-standestiefe nnd der Phantasie, die allein die grade Ironie, deren er sichstets bedient, erträglich machen kann. Wenn man nicht die Ironie bisan die Grenze des Ernstes treiben kann, so weiß man jedesmal beimAnfang schon das Ende, zumal wenn der Schreiber so phantasielos ist,wie Rabener, und sich so wenig getraut. Denn von aller Kühnheit undSchärfe ist seine Satire völlig entblößt, und von der Männlichkeit, dieRamler an ihm rühmt, ist seine Schreibart nicht nur, sondern auch ihrganzer Inhalt das grade Gegentheil. Es ist der gereinigte Stil derWochenschriften, deutlich und bequem für die Leser jener Zeit, die nichtviel vertrugen; für uns bis zum Ueberdruß breit und langweilig. NurdaS Publikum, das von Gellcrt's Fabeln begeistert ward, konnte sich anRabener's Satiren erquicken. Anch die Gegenstände sind wie der Stildem Inhalt der Wochenschriften gleich. Für heutige Leser, die den In-halt der zwei ersten Bände von Rabener's Satiren") anfschlagen, sindgleich die Titel sättigend. Ueber Vortrefflichkeit der Gratulationsschrei-ben; eine Lobschrift auf ein SchooShündchen; auf die geplagten Män-ner u. dergl., dies sind die erbaulichen Aufgaben der Rabener'schenSatire. Man schlage die freundschaftlichen Briefe auf, welche unsäglichläppische Tändeleien mit wie viel Selbstgefälligkeit und Wohlgefallenan der eignen Laune vorgetragen! Die satirischen Briefe im drittenTheile sind immer als das Vorzüglichste herausgehobcn worden! Aberin welchem Kreise deS Witzes dreht sich auch hier der Satiriker herum!Ein roher Adliger sucht einen wohlfeilen Hofmeister, daS Kammer-mädchen empfiehlt den ihr tauglichen; eine Pfarrerswittwe sucht einentüchtigen Candidaten zu ködern; ein Richter sott bestochen werden nnd
LI) Samml. sat. Schriften. 1751. 54. 4 Thle.