Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
79
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u. weltlichen Moral, u. d. Kritik. Die Verf. d. Brcm. Bcitr. 79

dauerte bis 1770, ehe ShafteSbury ganz übertragen ward. Die pieti-stische Theologie hatte sich diesem neuen Geiste mit ihren Glaubensstär-knngen entgegcngeworfen, allein dies wollte nicht ausreichen. Wie vielfehlte, daß nicht die Rechtgläubigen den Zinzendorf gar wegen seinesUmgangs mit Dippel zum Freigeist gemacht hätten! Unsere poetischenTheologen, von denen wir handeln, greifen es ähnlich an. Wenn Jenedie Freidenker abgeschreckt meinten von den orthodoxen Spitzfindigkeitenund dafür Nahrung des Herzens boten, so heben diese die Reize der Na-tur, der Kunst, der menschlichen Bildung, der Philosophie hervor, umzu zeigen, daß alles dies Weltmännische wohl mit Religion und Glau-ben bestehen könne. Jenes Bequemungssystem beginnt, dem so vieleTheologen des vorigen Jahrhunderts huldigten. So hoben BrockeS undGiseke die Weisheit der Einrichtungen in Natur und Welt hervor, umsich über den Spinozisten lustig zu machen, der sich und das verächtlichsteGewürm zu einem Theil von Gott macht, und mit dem letzteren einenTheil von Gott zertritt. So hatte schon die Gottsched aus einer ähn-lichen Absicht den Speetator übersetzt. Sie fand, daß Viele glaubten,ein großer Geist und ein Freigeist, ein witziger Kopf und ein Religions-spöttcr sei einerlei. Hier macht sie mit tiefsinnigen Weltweisen bekannt,die es für keinen Schimpf halten, Christen zu sein, Leuten, die den fein-sten Spott zu Hand haben und doch damit den guten Sitten nicht nahetreten, großen Geistern, die es nicht für Dummheit halten, an dieEwigkeit zu glauben. So hält sich Geliert in den Lehren seiner Fabelund seiner Moral immer eng an Philosophie und Vernunft angeschlossen,immer auf jener Seite der Buttler und Mosheim, die natürliche und ge-ofsenbarte Religion, Vernunft und Glauben versöhnen, um hinter dieserDuldung die unduldsamsten Sätze gegen die Freidenker, und gegen dieSittenlehre der Heiden, die ihm dicht bei der Starkgeisterei liegt, auszn-sprechen. Nirgend ist Geliert so feierlich beschwörend, so grell aus-malend, so rücksichtslos ausfallend, als wo er in seinen moralischenVorlesungen gegen die Deisten zu Feld zieht, die bald Herder in Schutznimmt, gegen jene Lehren, die uns der Natur folgen, das Leben ge-nießen, den Aberglauben brechen heißen, wie sie sehr bald von Wielandnachdrücklich genug gepredigt wurden. Ganz besonders merkwürdig fürunseren Zweck sind aber die Aenßerungen Cramer's im Nordischen Auf-seher über die Lektüre der Bibel""). Sie scheint ihm in Bezug aus Stilund Geschmack mit allen menschlichen Schriften um den Vorzug zu streiten.

40) Nord. Aufs. St. 57.