Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
70
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70 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

so doch Wasser und Staub au sich hängen hat. Auch er korrespondirteaber bald mit Bodmer, fiel ganz von Gottsched ab, machte sich mitI. Adolph Schlegel über ihn lustig und pflegte ihn blos *sched zu nen-nen, weil man den Namen Gottes nicht unnütz führen solle, was wenig-stens ein besserer Witz war, als wenn Gottsched immer in Scherz undErnst Klopfstock schrieb. Auch Geliert war im Anfänge Gottsched'sAnhänger und schrieb in die Belustigungen; ein Band vermischter Ge-dichte, der 1770 als ein Anhang zu seinen sämmtlichcn Schriften her-ausgegeben ward, und womit man ihm einen schlechten Dienst erwies,enthält lauter bestellte Gelegenheitsgedichte, die ganz in Gottsched'sManier sind. Auch Er aber änderte seine Meinung von Gottsched nachseinem eignen Geständnisse bald; dies verträgt sich wohl damit, daßsich der friedliche Mann, wenn es im Kreise der abgefallenen Jüngerüber Gottsched herging, desselben annahm. In den Belustigungen warferner Zachariä's Renommist erschienen und Cramcr hatte hineingear-beitet, Beide behandelte Gottsched nachher als Abtrünnige, sobald siesich als Klopstockianer verriethen. Endlich war auch Gärtner einMitarbeiter an den Belustigungen, und> half Gottsched an seinerUebersetzung des Bayle und Rollin. Er aber ist es, der zuerst mitden Belustigungen unzufrieden war und das Zeichen zum Abfall vonGottsched gab. Daß dies grade von gebornen Sachsen, von seineneigenen Schülern und von Leipzig selbst ausging, war für diesen einempfindlicher Schlag, denn bald ward der Meißnische Witz durch dieseneue Gesellschaft vertreten, und nicht mehr durch Gottsched's Anhang.

L. Ehr. Gärtner (auS Freiberg 171291), schon auf der Schulein Meißen mit Geliert und Rabener bekannt, entwarf den Plan zu densogenannten Neuen Beiträgen zum Vergnügen des Verstandes und Witzes(174445), die sich schon diesem Titel nach von Schwabe loSsagtcn,mit dem Gärtner vorher die Reformation des bisherigen Blattes bera-then hatte. Da sich dies zerschlug, setzte er sich zuerst mit Cramcr undI. A. Schlegel in Verbindung, dann trat Rabener zu, C. ArnoldSchmid aus Lüneburg, Ebert, Zachariä, und ans der Ferne EliasSchlegel (in Kopenhagen); erst als die Verfasser bekannt wurden, Gel-iert; bei dem 2. Bande Giseke und Spener, der jung starb, zuletzt Fuchs,Klopstock und Schmidt aus Langensalza. Einige unpassende Elementesonderten sich bald ab, wie Myliuö und Kühnert, der mach Klopstock'sSchilderung, eben wie Mylius, eine Art Vorläufer der unregelmäßigenGenies gewesen sein muß: bald Zweifler, bald Philosoph, bald Spötteraller menschlichen Handlungen, Dichter, Menschenfeind und Freund.