ii. weltlichen Moral, u. d. Kritik. — Die Vers. d. Brem. Bcitr. 6!)
nutzt, er ward dann mit Gottsched in Leipzig bekannt, ließ sich von des-sen Eifer für die Literatur anstecken und schrieb gegen Mauvillon's lot-Iros sur Iss bnanyois et los ^Ilemanüs. Noch viel entschiedener griffer mit Gottsched das Werk der Bühne an und schon 1739 wurden desjungen Mannes Geschwister in Tannen und Hermann von Neuberdurch Gottscheds Hinznthun aufgeführt. Dabei war er einer der fleißi-geren Mitarbeiter an den Beiträgen, dem Büchersaal und den Belusti-gungen. Bald aber sieht man ihn durch Hagedorn's Vermittelung mitBodmer Briese wechseln, aus denen hervorgcht, wie sehr Bodmer'sSchriften die junge Welt in Leipzig, die er augriff, zwischen Scham undAerger theilte. Noch zwar gesteht Schlegel 1740, daß er mit Gottschednicht zerfallen sei^), er sei sein Freund gewesen. Schon damals aber,als Bodmer's Dichterkomplott^') Allen, die darin getroffen gewesen, dieGalle rege gemacht,' habe er sich zu wehren gehabt, nicht mit in denStreit gezogen zu werden, denn auch sein erwähnter Brief an Mauvillonwar in Bodmer's Schrift nicht frei ausgegangen. Schon damals hätteer gern Bodmcr'n Erläuterungen über diesen Brief gegeben. Wenn mansich übrigens, fügt ec hinzu, in Leipzig jetzt auS dem Lobe Gottsched'skeine Ehre mehr machte, so sei dies schon zu seiner Zeit so gewesen.Gottsched habe ihn stets mit Anderen darüber geärgert, wenn sie seinenBeifall vollkommen gehabt! Man hat einen Brief von Schwabe anGottsched vom Jahr 1744, der dem Meister berichtet, wie ein von ihmausgesetzter Preis den Leipziger Dichtern ausgeboten wurde: es isthöchst charakteristisch, daß sie sich alle, meist Mitarbeiter an den Belusti-gungen und später an den Bremer Beiträgen, unter Ausflüchten wei-gern, auf die Sache sich einzulassen: Gärtner, A. Schlegel, Mylius,Zachariä, Cramer u. A. Aus ihrer Reihe war Rabener ein besonderseifriger Mitarbeiter an den Belustigungen. Sein Antheil daran fülltden ersten Band seiner gesammelten Satiren und kann uns ein Bild desganzen unlustigen Inhalts dieser Zeitschrift geben. Man wird sich dabeiunwillkührlich an die schlechten satirischen Schriften des 17. Jahrhs.erinnern, aus denen Liseow mit einem frischen Satz hcrausspringt, Ra-bener aber langsam hervorgeht und noch viel — wenn nicht Schmutz —
34) Nach Danzel's Gottsched p. 154 brach Gottsched übrigens den Brieswcchselmit E. Schlegel schon 1744 ab, als ihm dieser geschrieben hatte, daß er den Miltonnicht so anbete wie die Schweizer, aber auch nicht so verachte, wie Gottsched's Anhang.
35) In den Belustigungen war gleich Anfangs ein prosaisches Gedicht, der Dich-terkrieg, erschienen, in dem Bodmer unter dem Namen Marbod verspottet ward; hier-gegen setzte Bodmer: das Komplott der herrschenden Dichter und Kunfirichter.