68 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen
sched'schen Seite in der Dichtung viel schlimmer herausstellten, als Gott-scheds eigene Blätterdie ihrer Kritik. An diesen Belustigungen arbeitetenübrigens eine Reihe von Männern mit, die nachher ehrenvoller bekannt ge-worden sind, als der Herausgeber. Unter diesen war Kästner Gottschedsgenauer Schüler, und der Letztere suchte sich den bedeutend werdenden undgefährlichen Mann auch srcuudlich zu erhalte». Kästner seinerseits brachauch nicht mit ihm, er äußerte sich sogar in Briefen und Epigrammen ge-gen die Schweizer und selbst gegen Lisrow; wir lassen es aber dahingestellt,ob dies nicht blos Widerspruchsgeist war, der in Menschen, wie Er, diean Allem nur die fehlerhafte Seite sehen, und die sich selber eben sogern als Andere ungern spotten hören, sehr gewöhnlich ist. Sonst äußerteer sich gelegentlich an Hagedorn, daß er nicht begriffe, wie Bodmer alleArbeiter an den Belustigungen für Anbeter Gottsched's habe haltenkönnen; auch fehlt es nicht an Winken, daß die Freundschaft zwischenBeiden eine Weile gelockert war. Wie zweideutig es übrigens gleich inden ersten Jahren nach dem stärkeren Auftreten der Schweizer, ja selbstschon früher, innerhalb des vertrautesten SchnlkreiseS Gottsched's umTreue, Anhänglichkeit und Achtung aussah, davon geben beide Schle-gel das redendste Beispiel. Adolph Schcgel behauptete, in Leipzig selbstsei der Begriff von Gottsched's Größe, als er 1741 dahin gekommen sei,sehr klein gewesen; es hätte der Schweizer Schriften nicht bedurft, seinAnsehen dort zu stürzen. Wie wenig nachhaltige Achtung dieser Mannin der That bei seinen nächsten und ältesten Verehrern schon vor derAnfechtung der Schweizer genoß, davon scheint der vorhin erwähnteVorgang bei seinem Austritt aus der deutschen Gesellschaft schon alleingenügsames Zcugniß zu geben. Die Art und Weise, wie er seine Schü-ler und Anhänger behandelte, macht dies auch vollkommen begreiflich.Beide Schlegel, versichert Adolph, hätten absichtlich keine Kollegien beiihm gehört, weil er jeden Zuhörer, der einmal selbständige Meinungenaussprach, für einen undankbaren Schüler erklärt habe. Nur seiner Rc-degesellschaft habe Elias beigcwohnt und er habe da erfahren müssen,daß Gottsched die Reden, worin den Ansichten seiner Rede- oder Dicht-kunst widersprochen war, an sich behielt, unterdrückte und jeden Versuchdes Verfassers vereitelte, sie wieder zu bekommen. Adolph Schle-gel übertrieb übrigens, wenn er glauben machen wollte, seine Bru-der EliaS sei schon unabhängig von Gottsched auf die Universität gekom-men und seine Poesie habe schon ihren eigenen Charakter gehabt, eheer Gottsched kennen lernte. Er hatte bei seinen frühesten dichterischenVersuchen noch aus der Schule Gottsched's Dichtkunst mit Andacht be-