Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
64
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64 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüsse» der religiösen

Emaneipation der deutschen Sprache in allen Kreisen regte. Er gab da-her der französischen Akademie in Berlin gern einmal einen Hieb, erschonte den französischen Adel in Deutschland so wenig, als die lateini-schen Schulmänner, und als die Jesuiten, die die barbarische. Sprach-mengerei fortsetzten. Er hatte seine deutschen Schulbücher auf allen Schu-len in Sachsen verbreitet, und steht so dicht neben Thomastus und Wolfund deren Bestrebung für Aufnahme der deutschen Sprache. Er selbstvergißt zwar nicht, gelegentlich auch dieß Verdienst sich anzurechncn, dochspricht er weit seltener davon, als von seinen eingebildeten und Schein-verdiensten geringerer Art; die Schweizer aber beachten es gar nicht.Diese ihrerseits haben fas? kein wesentlicheres Gute gestiftet, als die Her-vorziehnng der altdeutschen Literatur. Was Gottsched für den ReineckeFuchs und gelegentlich für den Renner, was Leute seiner Seite, wiez. B. Mülvener (für den Froschmäusler) thaten, kommt hierneben in kei-nen Betracht. Die Minnesänger und Boner, Pareival und die Nibe-lungen wurden von Bodmer bekannt gemacht. Mit welchem Eifer er dieRettung alter Schätze betrieb, beweist sein Briefwechsel. Er setzte Hage-dorn und Renner, Hartmann (in Tübingen) und Gellert, und wen ererreichen konnte in Bewegung; Müllers Gedichtsammlung schließt sichan seine Bemühungen eng an. Wie wenig aber beide Parteien, ob-gleich sie hier einmal zusammentrafen, diese Bestrebungen beachteten, istschon Lessing ausgefallen, der in seinem Aufsatze über die Fabeln derMinnesänger nachwieS, daß sie hier alle Gelegenheit versäumten, voneinander zu lernen, und sogar über einander zu schimpfen. Dies letztereversäumten sie doch sonst auf keine Weise. Denn dies ist das Aergerlichein dem ganzen Streite, daß man sich gegenseitig und genau betrach-tet eben so oft mit als ohne Grund Kabalen Schuld gab, die Hülfeder Parteigänger suchte, und so das Nebel stets ärger machte. Bodmerklagte in der spätesten Ausgabe seines Wilton über die Kabale, die sichgegen verschiedene seiner Werke angesponnen, Gottsched argwöhnte Ver-schwörung und Bestechung von Zürich aus, wo sich nur Jemand gegenihn aussprach, und die Schweizer versicherten selbst ironisch: der Ham-burger Korrespondent erhalte vierteljährig einen Kober mit hi- SchockSchweizer Käse von ihnen, Rost habe Würste, und Liscow Beidesempfangen.

Innerhalb 1015 Jahren entschied sich übrigens für die Seite derSchweizer ein vollkommener Sieg, und Gottscheds Niederlagen wärenzu schmerzlich zu nennen, wenn er irgend eine Empfindung zeigte, wennihn nicht die Einbildung stumpf gemacht hätte. Nach 15 Jahren war