Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
61
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u. weltlichen Moral, u. d. Kritik. Gottsched u. d. Schweizer. 01

recht, obwohl er doch diese Gattung nicht verwerfen darf, die seineStoppe und Triller kultivirten, von denen der Letztere äußerst scharf inder Dichtkunst Breitinger'S mitgenommen war. Um sie zu retten findeter nöthig, daß man voranssetzen müsse, die Bäume und Thierc, die dareden, hätten vielleicht in einer andern Welt Verstand und Sprache!!Man steht wohl, wie dürftig sein Witz da wird, wo ihn sein Dacier'schcrAristoteles und sein Hora; verläßt! Eben da aber wird der Schweizeram beredtesten. In Breitinger'S Dichtkunst nämlich ist außer der Bezug-nahme auf die Malerei das Merkwürdigste, was er über die Fabel sagt.Auch hier ist der Gang seiner Erörterung vielleicht wunderlich, alleindas, was er als Ergebniß eigentlich meint und nur nicht scharf auszu-drückeu und ins Licht zu stellen weiß, ist vortrefflich, und was er theore-tisch hinwirft, wird von der ganzen Zeit ausgeübt, in der die Fabel dievertretende Gattung ist. Seine Betrachtung nimmt folgenden Gang.Der Dichter hat in seinem Geschäfte eine Wahl zu treffen. Nicht Allesin der Natur ist au Werth gleich, nicht Alles muß man schildern wollen,der Poet soll nicht allein wahr sein, sondern auch schön. Die Gegen-stände der Natur nun beziehen sich auf unseren Verstand und unser Ge-müth, sind lehrreich oder rührend; die Wahl von Gegenständen dieserletzten Gattung sind von sicherer Wirkung. Das Gemüth aber wirdmehr gerührt von etwas Ungewohntem, der Dichter soll daher das Neuesuchen, dessen höchste Potenz das Wunderbare ist. Das Neue, dasWunderbare ist also die Urquelle der poetischen Schönheit, sie entspringtaus dessen Verbindung mit dem Wahren. Daher sind die Ritterromane,in denen das Wahre fehlt, und die wissenschaftlichen Lehrgegichte, indenen das Wunderbare fehlt, falsche Dichtartcu. Das Wunderbarefindet sich nun in zweierlei Erdichtungen, wenn der Dichter durch dieKraft seiner Phantasie ganz neue Wesen schafft oder wirkliche Wesen zurWürde einer höheren Natur erhebt: in Allegorie und Fabel! In derFabel ist das utile ciuloi, das Wunderbare mit dem Wahren vereint; siehat daher die höchste Kraft der Schönheit eines Vortrages. DieseTheorie ist vielleicht noch schwächer als die Triller'sche. Allein wennman nun sieht, wie sie in dem Begriff von Fabel alle Erfindung undDarstellung vereinen, wie sie das Epos eine ausführliche Fabel, dieFabel ein kleines episches Gedicht nennen, so wird deutlich, daß sichunsere Schweizer dieser Gattung annehmen, wie einst Harsdörser derAllegorie, weil das schaffende Vermögen sich daran kund geben muß,daß sie mit dieser Bevorzugung der Fabel nichts sagen wollen als wasvorher mit der poetischen Malerei: der Hauptgcgenstaud der Dichtung