i
u. weltlichen Moral, ». d. Kritik. — Gottsched u. d. Schweizer. 5!>
sched'S nur ganz oberflächlich, so sieht man, daß das letztere durchauseklektisch ist; der Verfasser selbst bildet sich darauf etwas ein und hältmit Rolliu den Ruhm eines guten Compilators für groß genug. Brei-tinger ist aber Selbstdenker und wahrer kritischer Forscher. Dies zeigtschon sein gewonnener Standpunkt und der AnSgang von Vergleichungder Malerei mit der Poesie, worin auch er, wie wir von Bodmer sagten,znsammcnstimmend mit den Lieblingslehrcn der Zeit erscheint. SchonGöthe hat angeführt, daß dieser Gesichtspunkt, den nachher Lefsing'sLaokoon erschütterte, in der Zeit gelegen war. Engländer, Franzosenund Italiener theorctisirten damals über die bildenden Künste; DnboShatte Betrachtungen über Poesie und Malerei geschrieben, Dujon (vonder Malerkunst der Alten) hatte beide Künste verglichen, Hnrd in seinemCommentar über die Horazische Dichtung liebte sehr, von der Malereiseine Erklärungen der Dichtung herzuholcn, Andrencci verglich in seinerpoosia ital. die lyrischen Gattungen mit gewissen Mälerschulen. 'Addi-son, der so viel auf die Schweizer wirkte, hatte in einzelnen Stellen sei-ner Reisen und Gespräche über die alten Münzen oft versucht, beideKünste zu wechselseitigen Erklärungen zu brauchen, und daraus erwuchs1747 Spenrcr's Polymetis, der zwischen beiden Künsten unter den Alten(wie auch Webb in Untersuchung des Schönen in der Malerei) eine steteWechselwirkung annahm. Brcitinger, der unter poetischer Malerei all-gemein die Dichtung, nicht die besondern poetischen Gemälde versteht,bleibt zwar sehr mit seiner Betrachtung auf Nebendingen und Einzel-heiten hangen, so daß auch bei ihm noch die König und BrockeS nebenHomer zu Ehren kommen; geht man aber der ganzen Ansicht auf denGrund, so sieht man wohl, daß er bei seiner Vergleichung der beidenKünste nur ans ihre gemeinsame Wirkung ans die Phantasie abzielt.Hier liegt der allgemeinste Unterschied der Züricher und Gottsched's.Bodmer hatte den Nagel auf den Kopf getroffen, als er den deutschenDichtern Mattheit und Trockenheit vorwarf, „die sie durch ihre Philo-sophie und ihre Liebhaberei an Verstandeswesen sich erwarben, die dieLustbarkeiten der Einbildungskraft unterdrücke!" Der gute Gottschedpries das aber gerade!^) Die Vernunft sei Gottlob geläutert bei uns!die ausschweifende Einbildungskraft sei in ihre Schranken gewiesen!das habe den Fall Lohenstein's bewirkt! es seien dauerhafte Schönheitendafür gewonnen! Daher will er von keiner Oper und Cantate hören,„weil der Verstand dabei nichts zu denken hat." Daher schreiben sich die
26) Kritische Beiträge VI. 661.