Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
58
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58 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

diese und ähnliche Autoren angrcifi, die wahrlich nur deßhalb ihr Da-sein zu haben schienen, damit sie LiSevw verewigen sollte. Denn erscherzte ganz richtig, obgleich die Esel zur Musik ungeschickt seien, somache man doch aus ihren Knochen die schönsten Flöten, und so gäbendie elenden Schriften Anlaß zu sinnreichen Widerlegungen und Spott-geschichten.

Liseow hatte in dieser Schrift Gottsched nicht genannt, er hattevielmehr gelegentlich von dessen Charakter mit Vertrauen gesprochen,der ihm verdächtigt ward. Allein die Schweizer ließen seine SchriftNachdrucken und setzten Gottsched zu den angegriffenen elenden Seribcutenhinzu. Wie wenig Liseow übrigens darüber böse war, geht aus seinerspäteren Vorrede zur Ucbersctzung des Longin von Heineckc hervor, woer erklärte, wie nachher anch Lessing, daß Gottsched in dcr That die Ehredes deutschen Witzes schlecht behaupte und klug thäte sich bei Zeiten zu-rückzuziehen. Brcitinger sei Gottscheven zu hoch; seine Regeln seienleicht, ein Stümper dürfe au seinen Mustern nicht verzagen. Wenn wirübrigens vorhin von den Wirkungen LiSrow's auf die Schweizer rede-ten, so meinten wir nicht diese Erklärung, sondern vielmehr den Tonseiner Schriften überhaupt, die er 1739 gesammelt herausgab, mit er-neuter Verfechtung der satirischen Freiheiten. Ein Jahr darauf rücktendie Züricher mit ihrem groben Geschütz gegen Gottsched, und Bodmerin der Vorrede zu Breitinger's Dichtkunst erklärte ausdrücklich, daß ernun auf den endlichen Durchbruch des Geschmacks an kritischen Schriftenhoffe,seitdem der unerschrockne Liseow in der Untersuchung, ob seinBriontes (gegen Philippi) eine strafbare Schrift sei, das allgemeineRecht der Menschen (die Menschenrechte in dem literarischen Staate)so vollkommen bewiesen habe, daß die Deutschen ohne Zweifel zu diesemGeschmack nunmehr genugsam vorbereitet seien."

Drei Werke erschienen 1740 in Zürich aus einmal: Breitinger'sAbhandlung von den Gleichnissen, Bodmcr's von dem Wunderbaren,Breitinger's kritische Dichtkunst, und dazu kamen 1741 Bodmer's Be-trachtungen über die poetischen Gemälde der Dichter. Gottsched zeigtesie in einem verächtlichen Tone au; er nahm die kritische Dichtung schonihrem Titel nach übel, als ob sie die seinige für unzulänglich erklärte.Wirklich ward jetzt der Gegensatz beider Thcile offenbar; Gottsched'skritische Dichtkunst hatte >737 eine neue Auflage erlebt, und wenn manbeide Gegnerinnen nun verglich, so kam man auf die Gegenstände desStreits und die Gegensätze der Ansichten deutlicher hin. Ueberblicktman das Werk Breitinger's, das weit das wichtigste ist, gegen Gott-