16 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen
Alle drei Gattungen nämlich leiten sich gleichsam ans jener Einzigen her,die wir im Mittelalter Allegorie nannten. In jenen bei uns so unvoll-kommen gebliebenen Gedichten dieser Art war ja didaktische Lehre, poe-tische Malerei, Idylle, Satire und Elegie vollkommen vereinigt. Hättenwir diese Allegorie fleißiger gepflegt, so würden wir jetzt vielleicht dahinzurückgekehrt sein, oder wenigstens Einen Dichter haben, der alle dieseGattungen gleichmäßig angebaut hätte, oder der auf jene Allegorien ge-schichtlich zurückznleiten wäre. Wir haben in Deutschland von diesen dreiFällen keinen, aber in England haben wir in eben diesen Zeiten EinenDichter, in dem sich alle drei Fälle vereinigen, eben den Dichter, der ansBlockes am mächtigsten wirkte, den Blockes einführte, den nicht alleindieser und Zachariä und Kleist und Klopstock, ven auch der junge Lessingerstaunlich hoch hielt, der ganz ungewöhnlich ans unsere Dichtung indiesen Jahrzehnten gewirkt hat: Thomson. In ihm liegen diese Gattun-gen beisammen; sein Dichtnngstalent ist von jenem Spenser, dem sohoch gehaltenen Allegoristen der Engländer, angeregt; und ganz in dessenNachahmung ist sein oaslle ok inäolenoe geschrieben, das gewöhnlichunter seinen Dichtungen am höchsten gestellt wird. Wir aber haben keinesolche Allegorie aufzuweisen, in der jene Dichtungsweisen zusammen hät-ten fallen können, in der zugleich die falschen Grenzberührungcn vonKunst und Wissenschaft, wie das Lehrgedicht, und jene von Kunst undKunst sichtbar geworden wären, wie die malende Poesie, die sich indessenmit ihrer Verwandten, der malenden Musik (Haydn), und ihrem Gegen-satz, der Allegorie in der Malerei , der sich Winkelmann so sehr annahm,breit genug in diesen Zeiten machte. Wir haben also keine solche senti-mentale Allegorien aufzuweisen, in denen sich jene Gattungen hätten ver-einigen können, und dies auch darum, weil wir dagegen eine gleichsamverwandte und doch gegensätzliche, langehin nicht mehr erschienene Gat-tung eben in diesen Zeiten wieder aufgriffen, die zuerst als eine verjün-gende Gattung gelten kann, die zuerst in größter Einfalt, eben wie essich für den Anfang schickt, von verständiger und empfindender zur phan-tasievollen Dichtung, von sentimentaler zur naiven zurückleitct, ja die ge-radezu eine naive Allegorie heißen kann, und mit der Allegorie sehr häu-fig in einfachen Zeiten zusammengeworfen ward. Es ist die Fabel. Sieist eine Allegorie, und in ihr ist eine Art sinnlicher Malerei und Lehre,häufig ein satirischer Anstrich und durch die Versetzung in die Thierweltgleichsam ein idyllischer Boden vereint. So wie sie damals von Hage-dorn, Gellert, Lichtwer, Pfeffel und so vielen Anderen behandelt ward,nach dem Muster derFranzosen, nahm sie auch in derThat häufig genug