u. weltlichen Moral, n. d. Krilik. — Gottsched u. d. Schweizer. 15
und Alters. Noch aber waren in der geistigen Natur des Volkes Kräftegenug, um zum Anfangspunkt noch einmal zurückzukehren und die erstor-benen Säfte neu zu verjüngen. Das erste Kennzeichen dieser Verjüngungwar das Erwachen der Sinnlichkeit, ohne die es keine Einbildungskraftund keine Dichtung gibt. Brockes war daher das Ziel des vorigen Zeit-raums, in dem diese Sinnlichkeit und eine neue Triebkraft zu Tage kam,die noch mehr durch den Nahrungssaft belebt ward, der aus Englandsund Frankreichs vielfach verwandten Dichtungen jener Zeit zu uns her-geleitet ward. Zuerst nun äußerte diese neue Triebkraft ihre Wirkungenthetls auf dem Gebiete äußerer Sinnlichkeit und schuf jene malerischePoesie schon bei Drockes, theils in jenen abgelebten Gattungen selbst,so weit sie nur immer Boden finden konnte. Wir werden daher zuerstbetrachten müssen, wie Hakler dem Lehrgedichte einen neuen Schwunggibt, Drollingec ihn dem geistlichen Liede weniger giebt als wünscht.Beide sind von Brockes angeregt, und lehnen sich an ihn an. Beidewollen wie Er zu einer natürlichen Empfindungsweise zurück, ohne darumdie gewohnte verständige Betrachtung anfzngeben, sie wollen SinnlichkeitHerstellen und Vernunft behaupten. Schiller, der seine Sätze über naiveund sentimentale Dichtung aus diesen Zeiten mit der feinsten Beobach-tungsgabe abzog, bemerkt vortrefflich, daß das Ergebniß einer solchenBestrebung immer die sentimentale Stimmung sei, und eben diese stelltesich mit Brockes in Deutschland ein und steigerte sich durch mehr als einhalbes Jahrhundert zu einer ungemeinen Höhe. Durch drei Dichtungs-weisen, bemerkt Schiller ferner, erschöpft sich die sentimentale Dichtungs-art, durch die satirische, idyllische und elegische, je nachdem sich nämlichVaS Gemüth im Widerstreit mit einer gekünstelten Wirklichkeit, oder imEinklang mit einer natürlichen, oder schwankend zwischen beiden erkennt.Auch diese Dichtungsweisen sehen wir nun zuerst vorherrschend, wirsehen sie aber auch schwinden und ausgehen, je mehr man sich dieser sen-timentalen Uebergangszeit entfremdet, und wir sahen sie im 17. Jahrh.desto unbedeutender, je weniger man sich einer solchen Zeit noch genäherthatte. Liscow und Rabener bezeichnen die Ausgangspunkte der Satire,wie Kästner den des Epigramms; Geßner neben vielen geringfügigenAnderen bildet die Idylle, ehe sie Voß aus den naiven Standpunkt zurückstellte. Das Elegische ist weniger als Dichtungöart sichtbar, denn alsEmpfindungsweise, wo es sich häufig in den Episteln dieser Jahre undsonst in allen möglichen Gattungen ausspricht. Wie außerordentlich feinund richtig die Zusammenstellung und gleichsam Vereinigung dieser dreiGattungen ist, wollen wir mit einer historischen Bemerkung verdeutlichen.