Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
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10
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10 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

sestgestanden dauerte der Charakter dieser sentimental-humoristischen, ele-gisch-satirischen Zeit in Jean Paul fort, dessen ganzes Wesen durchausnur hier begründet ist, und er schlingt sich von dort an durch die Falkund ähnliche Satiriker und misanthropischcn Menschenfreunde bis ausdie heutigen politisch-literarischen Freiheitsmäuncr herüber, welche Ver-bindung denn mit der ganzen schriftstellerischen und menschlichen Art derjetzigen Jugend wohl zeigt, daß wir die revolutionäre Stimmung nochnicht erstickt haben. Mitten in den Umwälzungen dieser Zeiten war auchdas Drama nicht eben verschwunden, wohl aber von anderen, nochvolksthümlicheren Gattungen, von dem Romane, von der Prosa über-fluthet. Allmählig besann man sich jetzt. Herder kehrte zurück und suchteBande zwischen Regel und Freiheit zu knüpfen; Wien fiel ganz ab undwarf sich wieder auf den französischen Theatergeschmack; von jenen aristo-kratischen Freihcitsmännern in Göttingeu ging die feine Gegenwirkungdes Clasficismus aus, und die größte Persönlichkeit unter den jungenDichtern jenes Geschlechtes, Göthe, der vorhin ganz in dem freiestenSinne mitgewirkt hatte, ging dahin über. Ein Geist der Mäßigungzeigte sich mitten unter den dauernden Stürmen. Zu Göthe geselltesich Schiller. Sie waren schon ihren Schicksalen nach zweiseitige Män-ner der Mitte. Der Eine, von den jungen Bewegungsmännern undeiner republikanischen Stätte ausgegangen, ging an einen Hof über, demer sich vielfach hingab, der andre, einer Despotie entronnen, ging zumVolke über und ward auch nach seiner Verbindung mit Göthe von demnahen Hofe nicht angezogen. Sie regten noch in den cheuien eine allge-meine Bewegung auf, aber dann richteten sie sich ganz auf anständigeWirksamkeit, und strebten für Lessing'S Werk, für die Bühne. Sie stan-den mit Voß wie ein Triumvirat eine Zeitlang, sic entledigten sich desdritten, und dies war eine schöne Zeit, als die zwei so verschiedenenMänner im friedlichen Konsulate für das Drama arbeiteten. Leider auchsie erfuhren Lessing'S Schicksal. Die gemeine Popularität eines Kotzebueriß die Mehrheit der Bühnenwelt an sich; Schiller starb, und Göthe,obgleich ihn die Romantiker erst zum Imperator und Alleinherrscher er-klärten, dankte doch gleichsam ab und isolirte sich immer mehr, des poeti-schen Treibens müde. Daß alsdann die Romantiker gegen die gemeineMenge eine Restauration durchzufechten suchten, liegt der Vergleichungliterarischer und politischer Begebenheiten so nahe, daß Friedrich Schlegelin Wien sogar in politischer Beziehung vielfach als ein Werkzeug derRestauration erscheint.

Wem dieser Faden durch den labyrinthischen Gang unserer Literatur-