und weltlichen Moral nnd der Kritik. — Nebcrblick. F
und Völker, die Höhe der Zeit, in der sich unsere Literatur ausbildcte,ihr einen so entschiedenen Werth vor allen anderen gibt, so sollte mandenken, eben diese Vorzüge müßten ihr auch eine noch größere eroberndeKraft mittheilen, als die übrigen Literaturen ihrer Zeit entwickelt haben,und sie selbst bisher kund gegeben. Allein einmal hat das Beispiel vonFrankreich gezeigt, daß die größten literarischen Erobernngen nach außenzu machen, die kriegerischen ganz besonders behülflich sind, und auf diesenBeistand hat denn die unsere wohl am wenigsten zu rechnen. Dannaber liegt anch in dem Charakter unserer Dichtung selbst, was sie schwer-lich jemals anderen Nationen anders zugänglich machen wird, als wennzugleich mit ihr unsere sämmtliche Bildungsweise übertragen werdenkönnte. Wenn jene vorhin berührten Eigenschaften, jenes Anlehuen,jener Aufbau auf allen älteren Literaturen ihr einen Charakter der Uni-versalität geben, so trägt sie dagegen ans der andern Seite einen eben sonationalen und eigenthümlichen Zug, den sie mit keiner andern vielleichtals der griechischen Dichtung theilt, und der neben und mit jener Uni-versalität ihr merkwürdigstes Unterscheidungszeichen bildet. UnserePoesie nämlich stand von jeher weit weniger vereinzelt, als in anderenLändern, und besonders im vorigen Jahrhundert griff sie mit ungemei-nen Folgen in alle Fächer des Lebens und der Wissenschaften ein, undverzweigte sich nach allen Richtungen mit den Bestrebungen der Zeit.Klopstock wirkte auf die Religion, Wieland auf praktische Philosophie,Lessiug auf die gesammte Wissenschaftlichkeit, Voß auf Philologie undAlterthumskunde, Herder auf Geschichte und Theologie. Bei Göthc undSchiller fragen wir mehr nach Lebensansichten fast, als nach Poesie,und wir behandeln sie als Philosophen, als Vertreter ganzer Richtungennicht der Dichtung sowohl, als deS Gesammtlebens. Weder Lope nochCervantes, nicht Shakespeare und nicht Corneille haben so scharfe Le-benstendenzen in solchem Maaße aufgeregt, und man ließ auch überalldie Lebensgeschichte dieser Dichter fallen, während bei uns ein gleichesInteresse um biographische Kunde und um Nachlese von Poesienfortwährend eifert. Diese auffallende Verschiedenheit unserer Literaturrührt daher, daß diese bei uns das ganze Leben der Nation gleichsamausfüllte. Shakespeare stand neben Elisabeth und Englands junger Na-tionalmacht, Cervantes und Lope dichteten, als Karl V. und Philipp ll.die ganze Welt umspannten, Racine und Möllere, als Ludwig XIV.mit seinem Glanze Alles verdunkelte. Dies spornte die Dichtung, sichden großen Nationalbegebenheiten gleich zu stellen, aber sie konnte sienicht überragen! Wie anders in Deutschland! Der große Friedrich,