!284 Zollverein, preußisch-deutscher/
So ward durch einen Verein von ausgezeichneten Staatsmännern (un-ter weichen auch noch der königl. sächs. Director einer Abtheilung d-s Finanz.Wesens, Herr geheimer Finanzrath No,ritz und Jänkendors genannt weiden muß)«ine der großartigsten Ideen unserer Zeit, die Verschmelzung der getrennten,sich widersprechenden Handels- und Jndustrieintereffen der deutschen Lander inEin großes deutsche« Nationalintecefse in gewerblicher und commereieller Bezie-hung, das den tiefsten Bedürfnissen aller deutschen Stämme einsprach, in demHerzen von Deutschland praktisch begründet und verwirklicht. Fortan ist ein gro-ßer freier Markt für jede glückliche Entwickelung der Industrie und d-S Handelsgeöffnet, und der Deutsche kann, durch Gesammrlhaligkeit stark und mächtig, nun-mehr Schritt hallen mit den industriellen Bestrebungen des AuSiande«. Dochhangen die Erfolge des Vereins von Bedingungen ab, deren Erfüllung glücklicher-weise durch die Natur desselben gesichert wird. Die erste ist die feste Fortdauerund die folgerichtige Ausbildung de« seit einem Jahre erst vorhandenen Zustan-des; denn nur wa« sicher besteht, gibt Muth zu größcrn industriellen Unterneh.münzen, deren Frucht nur unter dem Schutze der Zeit reifen und sich vervielfachenkann. Die zweite ist die sachkundige, verständige Fürsorge der deutschen Regierun-gen für die Entwickelung der Industrie. Da« deutsche Fabrikat muß an Vortreff-lichkcit dem des Auslandes gleichkommen, wo nicht dasselbe an innerer Güte undSchönheit übertreffen, wenn der Reiz zum Schmuggeln verschwinden seil. Zudieser Entwickelung aber tragen die von den Regierungen eingerichteten polytechni-schen Anstalten, die GewerbauSstellungen und die den Privatl-istungen gewährtenUnterstützungsmittel wesentlich bei. Drittens darf man hoffen, daß grade die aufden Fortschritt der Gcwerbthätigkeit berechneten Bestimmungen deS deutschen Zoll-tarifs ') dlm Unternehmungsgeist« und dem Talente der deutschen Fabrikanten dieRichtung geben werden, um in denjenigen Fabrikaten, in welchen England, Frank-reich und die Schweiz uns Deutschen überlegen find, namentlich in denen ausBaumwolle, Seide und Wolle, mit der ausländischen Industrie zu wetteifern. ")Übrigens ist eS gar nicht unwahrscheinlich, daß der europäische Binnenhandel, inFolge des preußisch-deutschen Handelsvereins, sich in Deutschland zusammendrän-gen und hier seine vorrheilhafkesten Qnellpunkte finden dürfte, sowie, daß hinwie-derum Leipzig der Mittelpunkt für den deutschen Binnenhandel werden könnte,zumal wenn hier das Eisenbahnspstem sich mit dem bereit« daselbst bisindlichenStraßenknoten vereinigt«. Es läßt sich jedoch nicht leugnen, daß die Verkettungder deutschen Vercinstaaten durch ein und dasselbe Handels , Industrie- und Acker-bauinteresse. Einzelnen Nachtheil bringen kann. Diejenigen Manufakturen oderFabriken in dem großen Vereine, welche entweder unvollkommene oder zu theureArbeit tiefem, oder welche nur, durch die frühern Prohibitivspsteme ermuntert,entstehen konnten, oder auch sich an Orten befinden, wohin sie ihrer Natur nachnicht hätten verpflanzt werden sollen, alle solche Anstalten werden nothwendig ent-weder zu Grunde gehen, oder doch mehr und minder verlieren. Dagegen werdenjene Fabriken, die in günstigen Lokalitäten errichtet find, und mit Intelligenz undWirthschaft betrieben werden, einen bedeutenden Aufschwung erhalten. Auch derPaschhandel kann durch da« neue Zollsystem nicht ausgerottet werdm. Er wirdsich nur in andere Gegenden ziehen; jedenfalls aber wird er an Umfang verlieren.Ein dritter Nachtheil, die Vertheuerung der Colonialwaarcn, ist unvermeidlich, da
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So hat z. B. der neue Zolltarif baumwollene Waaren mit 85 Fl. Zoll belegt,der bei manchen Artikeln vollkommen prohibitiv wirkt; daher muffen Anstalten zurFabrikatlon dieser Artikel, gehörig geleitet, zu den nützlichsten und einträglichstengehören.
"1 Die« Alles entwickelt ein Aufsatz genauer, der zuerst in der „Leipziger Zei-tung", >834, Nr. SS, Beil., erschienen lst.
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