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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
1251
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Zollverein, preußisch-deutscher 1251

nicht nach der Anzahl der Dampf- und Menschcnmaschinen, noch nach der Größeund dem Umfange ihrer Production, sondern nach dem Wohlstände und Wohlbe-finden Aller ermessen werden muß, so ist England mit seiner künstlich hervorgeru-fenen kolossalen Industrie nicht glücklich zu preisen.

Dasselbe ist bei Frankreich der Fall. Hier hat die Noth der produel-renden Classen sich in demselben Grade vermehrt, als das HandelSbeschränkungs-spstem höher gesteigert wurde. Die Restauration hat in dieser Hinsicht Napoleonüberboten. Dem Landbauer wurde das wohlfeile ausländische Eisen, dein Fa-brikarbciler das wohlfeile fremde Brot, Fleisch und Bier entzogen, damit derreiche Forst- und Gutsbesitzer seine Ertragsrente verdopple. Die großartige Sei»densabrikation Lyons steht in scharsem Conlraste mit den bleichen Gesichtern unddem hinfälligen Wesen der armen Seidenardeiter und geht trotz aller Handelsbe-schränkung durch die Concurrenz der handclSsreien Schweiz ihrem allmäligen Ver-fall entgegen. Die Katastrophe, welche die erkünstelte» kolossalen Baumwollen-fabriken Mühlhauscns im Elsaß erlitten, der schleppende Gang der Tuchmanu-facturen in Scdan, Louviers ic., sprechen mehr als all« Theorien gegen die Na-tur- und Zweckwidrigkeit der Handelsbeschränkungen und Einfuhrverbote. Durchsie wurde namentlich in Paris und Lyon ein Heer von Fabrikarbeitern herangezo-gen, das kaum von einem Tag auf den andern zu leben hat und bei eintretenderStockung jederzeit bereu ist, sein Brot mit dem Schwert in der Hand zu erkäm-pfen. In Frankreich wie in England liegt grade in der durch die Handelsbeschrän-kung künstlich herbeigeführten Superfötalion des FabrikwesenS der gefährlichsteGährungsstoff zu innern Unruhen.

Wenn es Ostreich durch die schon in der Mitte des vorige» Jahrhundertseingeführte Handelsbeschränkung auch gelungen ist, die inländische Industrie zuHeden, so ist doch dadurch der Nationalwohlstand nicht vermehrt worden, denndiese erkünstelte Industrie hat den östreichischen Ländern kein Heil gebracht, viel-mehr zu einer Menge miSluNgcner Unternehmungen Anlaß gegeben und viele Fa-milien ins Verderben gestürzt. Der Hauptnachtheil aber, der aus dem mercanti-lischen Zsolirungssystcme Ostreichs hervorging, ist politischer Natur; indem Ost-reich sich dadurch von dem Handelsintcressc Deutschlands lossagte und den natür-lichen Handelsverkehr und Austausch der Producte gewaltsam hemmte, legte esden Grund zu jener politischen Abneigung, welche in den Gemüthern der deut-schen Völkerstämme an die Stelle der früher» Anhänglichkeit trat, mit der fort-schreitenden Entwickelung des östreichischen ProhibikivsystemS immer tiefer wur-zelte und es dem Eroberer zuletzt leicht machte, den politischen Einfluß Ostreichsin Deutschland vollends zu vernichten und Östreich zur Niedcrlegrmg der deutschenKaiserkrone zu bewegen. Auf eine ähnliche Weis« halte sich Friedrich derGroße durch seine verkehrte Merkantitpolitik dem Interesse Deutschland entfrem-det und die Abneigung der deutschen Völkerstämme gegen das Preußenthum ver-mehrt. Es ist zu den Schwächen des menschlichen Erkenntnißvermögens zu zäh-len, von denen auch große Geister nicht frei sind, daß Friedrich der Große es ver-absäumte die Handelsfreiheit in Deutschland herzustellen und die übrigen deutschenkleinen Staaten durch das feste Band eines freien Handelsverkehrs an die seinigenzu binden, die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen und sich dadurch Oestreichgegenüber eines desto wirksamern Einflusses in Deutschland zu verilchern.

Am schwerste» wurde der Mangel an Handelsfreiheit in den deutschenBundeSstaaten gefühlt, nachdem es gelungen war, das Joch deS Eroberer«abzuschütteln. Das Handelsisolirungssystem gewann in denselben seitdem so sehrdie Oberhand, der gegenseitige Austausch der Producte und Fabrikate wurde durchimmer höhere Zölle so sehr gehemmt und erschwert, daß Deutschland einem inallen seinen Gliedern gefesselten Körper glich, dessen Blut und Säst« der freien

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