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fürchtete seine Freisinnigkeit, seinen RadicaliSmu« und war für Privatinleressenbesorgt. DaS ist der unheilbare Krebs, der Fluch der schweizerischen Politik, daß fastJeder, mag er zu den Aristokraten oder Radikalen, zu den Schwarzen oder Weißenzu den Harten oder Linden gehören, sich nicht für die Rcalistrung einer Idee, son-dern nur für seinen Beutel, nicht für das Vaterland, sondern nur für seine Fami-lie, seine persönlichen Interessen bestrebt. Von einer solchen Schuld ist T. rein-er hat Alles, selbst mit Gefährdung seiner ökonomischen Existenz, einer Idee, demVaterlands zuin Opfer gebracht. Nicht so rein steht er von der zweiten Anklageda; aber seine Leidenschaftlichkeit, seine Bitterkeit ist Folge der erlittenen zahlreichenVerfolgungen, des ihm widerfahrenen Unrechts, des an ihm so häufig begangenenVerrath» von gleisnerischen Freunden, die auf seinen Schu.lcrn zu Ehren undÄmtern stiegen; sie ist eine Folge der Weise, wie in der Schweiz politische Parwi-kämpse geführt werden, die wir nach unserer innigsten Überzeugung misdilligenmüssen, die wir aber in T.'s Loge entschuldbar finde». Die Schweiz ist noch weitvon jenem erhabenen Standpunkte politischer Bildung entfernt, wo alle politischenKämpfe aufhören persönliche zu sein. — Zum Lehrer an der Universität zu Bernernannt, wird T. nun in einen neuen Wirkungskreis treten. (2g)
Türkhcim (Johann, Freiherr von), in der Periode des AuSbiucheS derRevolution aus einem elsassischen Rittergeschlechte zu StraSburg geboren, Sohndes als Staatsmann und als historischer und publicistischer Schriftsteller bekann-ten hcssen-darmstädtischcn Ministers, und Verwandter deS während und nach derRestauration einflußreichen Türkheim in StraSburg, erhielt unter der Leitungseines Vaters eine sehr sorgfältig« und gründliche Erziehung, bei der nicht nur diegewöhnlichen, auf die Verhältnisse und Bestimmungen des damaligen Adels be-rechneten Gegenstände, sondern auch echt wissenschaftliche Cultur vor allem be-rücksichtigt wurde. Er hatte daS Glück geistreiche und tüchtige Männer kennen zulernen und in ihrem Umgänge Takt, Geschmack und Kritik in mehr als einemFache und in einem Grade sich eigen zu machen, wie man sie selbst bei Gelehrtennicht immer findet. Seine erste Jugend verlebte er in östreichischen Kriegsdiensten;später trat er i» die juristisch-administrative Laufbahn, und zwar im Großhcrzog-lhum Baden, wohin er, nach seiner Vermählung mit einem Fräulein vonRiedesel, sich wendete. Er erhielt während der Regierung des GroßherzogsKarl, nach anderseitiger Anstellung des StaatSrathS von Jttner die Stelledesselben, als KreiSdireetor und Kuratur der Universität Frciburg, in der Eigen-schaft als StaatSrath. Auf diesem Posten blieb er bis 1830. In seinen AmlS-verhältnissen zu Freiburg zeichnete er sich durch außerordentliche Pünktlichkeit, ja,Strengein den Geschäften, bei jeder Gelegenheit aus und gab d.n Untergeord-neten ein seltenes. Manchen kaum erreichbar scheinendes Beispiel. Eine In-differenz gegen alle Rücksichten von oben wie von unten, eine Selbständigkeit desCharakters, welche oft mächtigen Widersachern trotzte und auch seinen StandeS-genoffen gegenüber, die er weit übersah, nie sich verleugnete, zeichneten ihn ehren-voll aus. Als Curator erfüllte er schwere Pflichten mit einer Mäßigung und De-likatesse, welche auch Meinungsgegner entwaffnete und mit Hochachtung erfüllte.Die Wiffenschastlichkeit, von welcher er selbst durchdrungen war, ehrte und be-schützte er, wo cS ihm möglich war; entschiedene Bekämpfer seiner Ideen fandenan ihm, wenn sie zusammentrafen, freundlichen Willkommen und loyale Behand-lung und nie miSbrauchte er seine Stellung, um diesen, selbst wo sein Beruf hier-zu ih» aufzufodern schien, wehe zu thun, vielmehr warnte und milderte er mitgroßer Unbefangenheit. Seine wissenschaftlichen Studien, welchen er, so oft sichgünstige Muße darbot, mit inniger Liebe oblag, hielten gleichen Schritt mit seinenDienstanstrengungen. In dem reizenden Altdorf, bei Ettenheim !m BreiSgau,wo er ein Gut besitzt, fand man ihn regelmäßig jede Woche einen Tag in einer aus-
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