Druckschrift 
Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
1241
Einzelbild herunterladen
 

-!Är)>

^i-N

bhAja!«W itis'ÄWt^ks>t><t»

MZSS>

:«.D

-iM

S?

K

.Ä!

»5,

?L

8

K

Lroxlcr 1241

und zelotische Priester zu bilden, als den aufstrebenden Geist des Jünglings in dieVorhallen wahrer Wissenschastlichkeit einzuführen, und ihn an der Herrlichkeit desclassischen Alterthums zu stärken. Kaum hatte T. das 18. Jahr erreicht, als dieRevolution über sein Vaterland hereinbrach und die Schranken niederwarf, welchebisher eine starre Aristokratie jedem außer den Stadtmauern sich entwickelnden Ta-lente entgegenstellte; er betrat die politische Laufbahn als Sccretair des Regierungs-statthalters Rüttimann und arbeitete nach Kräften an der Drganistrung des Land-schulwesens, vorzüglich seines heimatlichen Bezirkes, welches bis zur Revolution imCanton Luzem so gänzlich vernachlässigt war, daß im ganzen Lande kaum eineöffentliche Landschule, worin Elementarunterricht ertheilt wurde, bestand. Abersein Drang nach höherm Wissen ließ ihm keine Ruhe; er verließ das von unheil-vollen Wirren zerrissene Vaterland und begab sich 1800 nach Jena, um sich derMedicin und Philosophie zu widmen. Jena stand damals auf der größten Stufeseiner Blüte, und T.'S Wißbegierde fand volle Befriedigung; er wurde einer dereifrigsten und ausgezeichnetsten Schüler Schelling's und benutzte seine Zeit so wohl,daß er, ohne sich dem geselligen Studcntenleben und dem bildenden Genusse derNatur einer unmuthigen Umgegend und des Theaters in Weimar zu entziehen,seine ersten schriftstellerischen Versuche:über die Lehre von der Bewegung der Iris",ve mllammatione et suppurstione", eine Abhandlung, welche er zur Erlangungder medicinischen Doctorwürde 1803 schrieb, undIdeen zur Grundlage der No-sologie und Therapie", herausgab. Von Jena begab er sich nach Götlingen; dieFrucht seines dortigen Aufenthaltes waren seineVersuche in der organischen Phy-sik". Seine Bildung als praktischer Arzt vollendete er in Wien, wo er auch 1805seinenGrundriß der Theorie der Medicin" herausgab. Er kehrte 1806, nachdemer noch Italien besucht hatte, nach seinem Vaterlands zurück und lebte in seinemGeburtsorte als praktischer Arzt. Während seiner Abwesenheit hatten sich die po-litischen Verhältnisse unter der mächtigen Hand des Vermittler« Napoleon neu ge-staltet; das Einheitssystem war zerstört und der Föderativbund der 19 Cantonehergestellt. In der luzerncr Cantonsregierung überwog größtentheilS die bäue-rische Masse, und dieses rohe Element war in allen Behörden fühlbar; die Macht-haber konnten weder wahre Wissenschastlichkeit würdigen, noch hatten sie ein Ver-langen danach; eine elende Halbbildung, wie sie selbst besaßen, war Alles, wassie erstrebten. Der junge, für ein höheres wissenschaftliche« Leben begeisterteMann mußte bald die traurige Erfahrung machen, daß gegen den gesetzlich aufrechtgehaltenen Schlendrian keine Philosophie ausreicht. Bei dem Wüthen einer Epi-demie im Canton Luzem gcrieth er mit dem Sanitätsrathe, der meistentheils ausunwissenden, ehemaligen Landscheerern (Chirurgen) bestand, in Streit, um somehr, da er wagte anderer Meinung als sie zu sein, und es verschmäht hatte, sichals promovirter Arzt, die damals im Canton eine Seltenheit waren, von ihnenprüfen zu lassen. Ihr Haß wurde unversöhnlich, als er sogarEinige Worte überdie grassirende Krankheit und die Heilkunst im Canton Luzem" drucken ließ, und erwar gezwungen den Canton zu verlassen, wenn er sich nicht einer demüthigendenAbbitte gegen den Sanitätsrath unterwerfen wollte. Er kehrte, nachdem er nocheinen Nachtrag zu obiger Flugschrift bekannt gemacht, nach Wien zurück und lebtehier den Wissenschaften und seiner Kunst; außer verschiedenen Recensionen in denLiteraturzcitungen erschienen von ihm 1807über das Leben und sein Problem",1808Elemente der Biosophie". Nach einer Reise durch die Niederlande, Frank-reich und Italien kehrte er über Wien mit seiner jungen Gattin nach seinem Vater-lande zurück und ließ sich, nachdem er den Zorn der Regierung durch einen kurzenVerhaft In Luzem gekühlt hatte, in Münster nieder, wo er sich bald einer ausge-dehnten Praxis zu erfreuen hatte und die Achtung und Liebe des Volkes in einemhohen Grade gewann. Auch hier lebte er emsig seiner LieblingSwissenschast, der