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Griechenland > 105
mit dem päpstlichen Hofe sollte, wie wir bereits erwähnten, ferner mittels des Mi-nisteriums der auswärtigen Angelegenheiten betrieben werden. Im Lause desSommers kamen übrigens die katholischen Bischöfe von Tinos und Syra nachYl.iuplia, um dem Könige und der Regentschaft ihre Huldigung zu bezeigen, eshieß damals, der letztere sei zum katholischen Primas des ContinentS bestimmtgewesen.
In Bezug aus die Finanzverhältnisse der Regentschaft ist bekannt, daß sie beiihrem Erscheinen in Griechenland eigentlich über weiter nichts gebieten konnte, alsüber die Anleihe von 60 Mill. Francs, über deren Garantie von Seiten der Groß-mächte man zwar vorläufige Sicherheit halte, über welche man jedoch wegen dernoch zu Paris und Petersburg obschwebenden Verhandlungen nicht so gebietenkonnte, wie die Regentschaft selbst wünschen und das griechische Volk glaubenmochte. Die Sache erledigte sich erst völlig im Iul., und zwar so, daß zu-vörderst nur die Garantie der zwei ersten Serien, >ede zu 20 Mill. Francs, ge-mährt wurde. *) Nichts desto weniger hatte man in Griechenland selbst die über-triebensten Begriff- von den Geldmitteln der neuen Regierung und glaubte die An-leihe sei die unerschöpfliche Quelle, welche, wie über das ganze Land, so über jedenEinzelnen ihren Segen ausgießen werde. Hierin täuschte man sich aber, wie dieVerständigern wol vorausgesehen hatten, gar sehr. Ein bedeutender Theil der An-leihe kam ja dem Lande gar nicht, wenigstens nicht unmittelbar, zu gute. Wirerinnern nur an die 12 Mill. Francs Entschädigung an die Pforte, welche aus-drücklich von der Anleihe berichtigt werden sollten; ferner an den bedeutendenAufwand für die Einrichtung der Regentschaft, den Transport der königlich barri-schen Truppen und der griechischen Freiwilligen, d.e fortwährende Werbung undAusrüstung der letztem in Barern, und die Rückzahlung der bedeutenden Vor-schüsse, welche zu diesem Zwecke theils aus bairischen Staatskassen, theils »omLaron von Eichkhal gemacht worden sein sollen. Hierzu kommt noch der Abzugfür die zweijährigen Interessen und den Tilgungsfond; auch hat man berechnet,daß die Regentschaft dadurch, daß sie das Geld üb-r München bezogen hat, undalso, außer der doppelten Berechnung in München und Nauplia, auch Agentenirr Triest haben mußte, noch 10 — 12 Procent verloren habe. Es war also sehrnatürlich und lvbenswerth, daß die Regentschaft mit ihren Geldmitteln etwas zu-rückhaltend war, sich anfangs nur aus die regelmäßige Berichtigung der laufendenAusgaben beschränkte, dagegen auf außerordentliche Ausgaben, namentlich die vonvielen Seiten verlangten Entschädigungen, nicht einging, und zunächst eine zweck-mäßige Finanzverwaltung ins Auge faßte, um die Hülfsquellen des Landes keir-»m zu lernen und schnell fließen zu machen. Denn wie hoch man unter dengegenwärtigen Verhältnissen die Staatseinkünfte anschlagen sollte, wußte wolschwerlich Jemand mit Bestimmtheit anzugeben. Zm Durchschnitt hat man sieauf 8 Mill. Drachmen berechnet. Einige haben behauptet, daß sie sich nie überb Mill. Drachmen erhoben, obgleich, nach einer Berechnung deS jährlichen Ver-drauchscapitals der Nation, die Zehnten allein einen Gewinn von 11,710,000Drachmen geben müßten, wozu dann noch die indirekten Abgaben kamen, welchewit der Betriebsamkeit und dem Wohlstände der Nation in gleichem Verhältnissestugen würden.") Dieser so bedeutende Verlust liegt vornehmlich in der fehler-
') 8s erschien um diese Zeit r» Paris eine kleine Schrift: „Kot« explicativveur l'enrgrunt grso so 60,000,000 V'ranes «Spital, gui s« nsgoer« sux doursasa° kei!» «t so 1>onilres etc." (Paris 1833), worin die Bedingungen, unter wcl-N" das Haus Rothschild die Anleihe übernommen, die Form, in welcher die-"»gationcn in Cours treten, und einige auf die offlciellcn Verhandlungen darüberVgliche Altenstücke enthalten sind.
- -Es ist jetzt hinlänglich erwiesen, daß die bekannten Finanzberichte des Gra-I»erapodistrias, bei aller scheinbaren Regelmäßigkeit, fast nur imaginär waren,
8onv.-ier. der neuesten Zeit und Literatur. IV. 70