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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
1106
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1108 Griechenland

basten Verwaltung durch Zehntenpachter, welche gewöhnlich darauf ausgehen, au-ßer den Zinsen ihre« Capitals und den durch das Geschäft verursachten Kosten,noch 50 Procent reinen Gewinn zu haben. Freilich war es keine leichte Sache füreine völlig fremde Regierung, hier dem Übel auf den Grund zu kommen, das ver-jährte Gewirr von Betrug und Unterschleif zu durchschauen, und den alten MiS-dräuchen etwa durch ein neues System der Besteurung oder der Zehnte,werwaltungabzuhelfen. Man mußte sich dabei vorzüglich auf die Hülfe der in diesem Fachebewährten Eingeborenen verlassen und ernannte daher sogleich bei dem ersten Mi-nisterwechsel eine eigne Finanzcommission, welche dem Minister der Finanzen zurSeite stehen sollte. Die Mitglieder derselben waren P. Kentauros, N. Theocha-ris, N. SilibergiS und ein junger Schweizer aus Eynard's Schule, A. Rigny,welcher schon unter Kapodistcias bei dem Departement der Finanzen angestellt ge-wesen war. Bevor jedoch diese Commission in Wirksamkeit trat, war einemGrundübel der Finanzverwaltung, dem Unfuge einer grenzenlosen Münzver-schlcchterung aus der Zeit der Regentschaft, durch das Gesetz über das Münzwesenvon, 20. Febr., dessen wir bereits früher gedacht haben, vorgebeugt worden. Die-sem zufolge sollten fortan nur noch die neuen Naticnalmünzen, als die Silberstückevon 5 Drachmen bis zu 1 Drachmen, die Goldstücke zu 20 und 40 Drachmen,und die Scheidemünze von Kupfer zu 1, 2, S und lO Lepta, Geltung behalten;die ausländischen Münzen, welche bis auf weitere Verordnung im Umlauf bleibendursten, wurden durch einen besondern Tarif auf den Werth der neuen National-münzen zurückgeführt; ausländisches Kupfergeld wurde gänzlich verboten; dasdas alte inländische sollte noch bis zum 1. Mai gelten, dann aber eingewechseltwerden, und zwar nur zu 80 Procent des Nennwecthes; später wurde jedoch dieseAuswechselung, aus Mangel an neuem Kupfergelde, noch um sechs Monate ver-schoben. Auch die alten Phönirstücke sollten nach und nach gegen Drachmen um-gewechselt werden, aber nach ihrem wahren Werthe mir sieben Prccent Verlust.Neues Geld, vorläufig in den Münzen zu Paris und München ausgeprägt, wurdebald dadurch, daß alle laufenden Ausgaben dcr Regen'.schafl mit demselben bestrittenwurden, im Verkehr sichtbar. Später erschien noch eine besondere Verordnungüber das schlechte türkische Geld, der zufolge es zwar im Handel und Verkehr mitder Türkei angenommen, aber im Lande selbst nickt länger in Umlauf gesetzt wer-den durste. So gewann man schon in den ersten Wochen wenigstens eine sickereGruudlage für alle öffentlichen Rechnungen, und namentlich die Ausgabe und Ein-nahme des Staatsschatzes.

Die .hauptquellen der letzteren "blieben natürlich vorläufig noch die Zehntenund die Zölle, da ein anderes Bcsteurungssystem Vorarbeiten nöthig macht, zuwelchen zunächst noch Zeit und Mittel fehlen dürsten. Hierzu kommt der Ertragvon Salinen, Fischereien, Mühlen, öffentlichen Gebäuden, Wiesen, Wäldern,namentlich Olivenwaldcrn, Hccrdcn, Häusern und Gewerben. WaS die Zehntenbetrifft, so entschloß man sich, da die Zeit drängte, zu Anfange des Mais, das

und daß überhaupt unter ihm und kaum ohne sein Mitwissm Unredlichkeiten vor-gekommen sind, welche seine Vertheidiger schwerlich rechtfertigen mbchtcn. Unter-richtete Männer haben versichert, daß seine Erden nach seinem Tode allein beilondoner Häusrrn eine halbe Million spanische Thaler als sein Eigenthum vorge-funden, obgleich er bet dem Antritte der Prältde, tschaft erklärt hatte, der Restseines Vermögens bestche in 10,600 spanischen Thalern, welche er In die Vational-bank niederlege. Auch soll Graf Anguftin Kapodistrias im verflossenen Sommerausdrücklich in der Absicht nach München gekommen sein, um bei der baulichenRegierung jene lächerliche Federung in Bezug auf den Ersatz des von seinem Bru-der In Griechenland aufgeopferten Vermögens, angeblich eine halbe Million spa-nische Thaler, zu erneuern, weiche er kurz vor siiner Flucht an den lecren Schatzgemacht hatte.

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