Druckschrift 
Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
1079
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Durham 1679

Großflegelbewahrer und Mitglied des Cabinets. Die öffentliche Meinung schriebihm einen wesentlichen Antheil an der von der Regierung vor das Parlament ge-brachten ResormbiU zu, welche auf den früher von ihm »erfochtenen Grundsätzenruhte, und die er im Oberhause, noch ehe sie zur Berathung kam, am 28, März1831 auf eine von einigen Tories gegebene Veranlassung siegreich verfocht, wobeirr besonders auch hervorhob, daß diese Maßregel einmüthig von dem Vol?e geso-llt werde, und daß die Zeitschriften in dieser Beziehung nur einEcho der öffent-lichen Meinung" seien, das durch diese seine Stärke erhalte. Auf die Ursachen desSturzes der vorigen Machrhaber zurückgehend, vertheidigte er das Ministeriumgegen den Vorwurf einer übereilten Ergreifung der großen Maßregel. Nur durchein- vollständige Erfüllung der bei ihrem Eintritt« in das Amt übernommenenVerpflichtung, sagte er, hätten die neuen Machthaber Kraft gewinnen können.Es gibt keine verderblichere Politik als ein hartnäckiger Widerstand gegen die ge-rechten Ansprüche des Volkes; keine Lehre hat die Geschichte häufiger gegeben,als daß unzeitige Verweigerung solcherIoderungen eines Volkes nur die Wirkunghat, sie immer höher zu steigern, bis man sich gezwungen sieht, unbedankt zu ge-wäbrcn, was zeitgemäß bewilligt, mit Dankbarkeit wäre empfangen worden."Mit Würde wies er den Vorwurf ab, er habe seinen amtlichen Einfluß benutzt,der ehemals von ihm vertretenen Grafschaft Durham einen zweiten Repräsentan-ten zu verschaffen, wozu sie nicht berechtigt sei, und er zeigte, daß sie nach ihrerVolksmenge zu den Grafschaften gehöre, die nach dem Grundsätze der Bill einneues Mitglied erhalten müßten. Mit Geschicklichkeit und gründlicher Verfas-sungskunde verfocht er die Grundsätze der Bill und bebte nicht vor dem verstecktenBorwurfe zurück, daß sie revolulionnair sei, wobei er an Macchiavelli's Worte er-innerte, eine freie Regierungsform bedürfe, um sich frei zu erhalten, täglich einerneuen Vorkehrung zu Gunsten der Freiheit. Als im März 1832 die zweite Re-formbill zur zweiten Lesung kam, erhob sich Lord D. gegen mehre Widersacher, be-sonders nachdrücklich aber gegen den fanatischen Bischof von Epeter (Dr. Phill-pottS), der gesagt hatte, man wolle auf Dasjenige, was man für Misbräuche er-klärt habe, Rechtsvernichtung, Plünderung und Raub folgen lassen. Bald nachdem schwer errungenen Siege der Parlamentsreform wurde Lord D. als außer-ordentlicher Gesandter nach Petersburg geschickt, wohin er im Jul. 1832 abreiste.Er wurde von dem Kaiser mit großer, vielleicht berechneter Auszeichnung schon inKronstadt empfangen, in dessen Nähe Nikolaus war, als das englische Kriegs-schiff Talavera mit dem Gesandten ankam. Der Kaiser bestieg das Schiff undwar ungemein freundlich gegen dessen Offiziere und Mannschaft, oder machte ei-nenVersuch sie zu liebkosen", wie dieMmeo" sagten, die den Bericht von die-sem Besuches <iisAn«ting erkibition ok bniubug" nannten und meinten, derKaiser habe einen falschen Maßstab von dem Verstände, den Grundsätzen und Ge-fühlen der Engländer gehabt, wenn er geglaubt habe, durch eine russische Mahl-zeit ihnen die Augen über Dasjenige, was in Polen vorgegangen sei, schließen zukönnen. In England war die allgemeine Meinung, es sei einer der Zwecke dieserSendung gewesen, zu Gunsten der Polen zu wirken, für welche mehre Stimmenim Parlamente laut geworden wuren. Wie dem auch sei, es ist nichts über denErfolg dieser Sendung bekannt geworden, was die Toryblätter um so mehr anreiz-te, höhnisch von D.'s diplomatischem Talent zu reden. Als König Ludwig Philippim Aug. 1833 sich in Cherbourg befand, wurde Lord D. abgesendet, ihn zu begrü-ßen, und auch diesem Austrage legte man eine politische Bedeutung bei, da gleich-zeitig die verbündeten Fürsten in Münchengrätz versammelt waren. Wichtigerscheint seine Sendung nach Paris im Frühjahr 1834 gewesen zu sein, und mit«m Verhältnissen Englands und Frankreichs zu Rußland in Beziehung auf die«wickelten Angelegenheiten des Orients in Verbindung gestanden zu haben.