Durham
bat sie mehr als einmal ausgerufen, obgleich weder der Eine noch der Andere derParteilichkeit für das republikanische System verdächtig ist. Was sage ich? sogardie jetzige Regierung hat diese Tendenz anerkannt; sie hat sich erstlich für eine mitrepublikanischen Institutionen umgebene Monarchie ausgegeben, und wiewvl dieseWortverbindung etwas wahrhaft monströses ist, so hat man doch geglaubt, dieseWorte seien durch die Kugeln der Juliustage in die Mauern des Hvtel de ville ein-gegraben worden. Diese nahe Zukunft, die sogar von Denen anerkannt wird,welche mit Schrecken das Gesicht abwenden, ist die wahre Ursache der republi-kanischen Gesinnungen bei nachdenkenden Menschen. Sie hegen sie aus demGrunde, weil jeder vernünftige Mensch sich im voraus auf ein Resultat be-reitet, das er vorhersicht und als unvermeidlich anerkennt. Sie sind nicht Republi-kaner aus Erinnerung an Rom oder Arhen, dies wäre zu einfältig; sie sind esnicht wegen der Vergangenheit, sondern wegen der Zukunft. Aber eben weil ihnendie Zukunft als gewiß erscheint, verschwören sie sich nicht. Gibt es eine Partei inFrankreich, die sich nicht verschwört, so ist es die republikanische, weil sie überzeugtist, daß sie die Dinge nur gehen ;u lasten braucht. Meine Herren, wir könnenleicht warten. Die Parteien, die eine Zukunft haben, besitzen Geduld; dann sindwir auch noch jung, und in jetziger Zeit geht es schnell zu in der Welt." Alsdie Rede, welche zwei Stunden dauerte, geendigt war, hatte der Gerichts-präsident Mühe, den Beifallsbezeigungen der Zuhörer ein Ende zu machen. Nichtallein C., sondern auch alle ander» Mitbeschuldigten wurden freigesprochen. Dadie Artillerie der Nationalgarde bald darauf von der Regierung aufgelöst wurde,so verlor C. den von ihr gefürchtet»» Einfluß. Er begab sich in demselben Jahrenach Nantes, um, wie man behauptete, dort die Anhänger des RepublikanismuSzu mustern. Seitdem verhielt er sich ruhig. Als Schriftsteller hat er den Rufnicht bewährt, den er sich durch seine Rede vor Gericht erworben hatte. Es erschienvon ihm 1831 ein früher geschriebenes Werk: „vulinis carelinal, prnvorbe iristo-riguo", und „One tuen« eietlosaques scbnes ck'inessien", zwei dramatisirte histo-rische Versuche, wovon der letztere nur durch den darin geäußerten bittern Haß gegenden Einbruch der Kosacken in Frankreich im Jahre 1814 merkwürdig ist. Er ver-band sich 1833 mit mehren freisinnigen Schriftstellern zur Herausgabe einerperiodischen Sammlung von Aufsätzen unter dem sonderbaren Titel: „?»risrervlutionnsire", und schrieb die Einleitung dazu, won'n er die Lehre der gesell-schaftlichen Pcrsectibilität auseinandersetzt, und auf die Mängel der menschlichenGesellschaft aufmerksam macht. C. hat einen muntern, lebhaften Geist, er scheintzum Oberhaupte einer Partei geschaffen, und sollte Frankreich in der Folge nochEtaaksveränderungen erleiden, so wird er wahrscheinlich eine Rolle in denselben zuspiele» haben. (25)
Durham (John George Lambton, Baron), stammt aus dem seit altenZeiten in der Grafschaft Durham ansässigen Geschlechte Lambton, das schon im12. Jahrhundert in Urkunden vorkommt und in der Grafschaft wie in der StadtDurham so großen Einfluß gewann, daß stets die eine oder die andere durch einGlied der Familie im Parlament vertreten wurde. Geboren am 12. Apr. 1792,ward er nach dem 1795 erfolgten Tode seines Vaters von seiner Mutter und sei-"em Stiefvater Charles William Wyndham erzogen, und kam bald nach Vollen-dung seiner wissenschaftlichen Vorbildung als Repräsentant der Grafschaft Dur-ban, in das Haus der Gemeinen, wo er bald an mehren wichtigen VerhandlungenAntheil »ahm und am 17. Apr. 1821 einen gründlich entwickelten Plan »u einerdurchgreifenden Veränderung der bestehenden Wahlgesetze vorlegte. Er deutete ausdie herrschende Unzufriedenheit, die sich nicht mehr mit täuschender oder unwescnt-üchcr Abhülfe hinhalten lassen werde, auf die Verbreitung von Kenntnissen unterker Lsiksmasse, die man nicht mehr verblenden oder täuschen könne, und die ein